Klimafreundlicher und energieeffizienter Bergbau in Kolumbien und Chile
Das binationale Projekt "Rohstoffe und Klima: Klima- und umweltpolitische Instrumente zur Förderung einer emissionsarmen und ressourceneffizienten Rohstoffgewinnung in Entwicklungs- und Schwellenländern" wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) finanziert und hat eine Laufzeit von 2019 bis 2022. Politische Partner sind das kolumbianische Ministerium für Umwelt und nachhaltige Entwicklung und das chilenische Energieministerium.
Der Rohstoffsektor ist ein bedeutender wirtschaftlicher Entwicklungsfaktor für Kolumbien. Er trägt etwa 8 % zum Bruttoinlandsprodukt bei und beschäftigt rund 750.000 Menschen. Gefördert werden vor allem Erdöl, Ergas und Kohle sowie in geringerem Ausmaß Erze und Metalle. Der Rohstoffsektor ist für etwa 34% aller Treibhausgasemissionen Kolumbiens verantwortlich, sodass die Einhaltung der ambitionierten nationalen Klimaschutzziele (NDC) nur über eine deutliche Einsparung der Emissionen aus diesem Sektor gelingen kann. Hinzu kommt, dass viele noch unerschlossene Rohstoffvorkommen in den weitgehend intakten und sensiblen Ökosystemen des Amazonasgebiets liegen. Deren Gewinnnung würde dieses gefährden un damit auch die Lebensräume vieler dort angesiedelten Indigenen bedrohen.
Gemäß dem aktuellen nationalen Entwicklungplan soll der Beitrag des Rohstoffsektors zum PIB um fast 10% steigen. Dabei sollen aber weniger Emissionen generiert werden, und Umweltbedürfnisse sind bei der Rohstoffförderung und -verarbeitung verstärkt zu berücksichtigen.
Die Rohstoffindustrie in Chile (hauptsächlich Kupferabbau) trägt zu 60% der Exporterlöse bei (12% des BIP) und ist damit einer der wichtigsten Wirtschaftssektoren. Mehr als 850.000 Arbeitsplätze hängen von diesem Sektor ab. Doch dies hat auch umweltbelastende Folgen: Die chilenischen Bergwerke verbrauchen ca. ein Drittel des gesamten im Land erzeugten Stroms und belasten die Erdatmosphäre mit jährlich mehr als 14 Mio. t CO2. Dies entspricht den 1,5-fachen der Emissionen von Stuttgart.
In diesem Spannungsverhältnis wird das Projekt gemeinsam mit den Partnern aus Staat und Privatwirtschaft Möglichkeiten entwickeln, wie die Umweltbelastungen und die Treibhausgasemissionen reduziert werden können. Dazu werden konkrete Projekte mit Unternehmen aus 2-3 Rohstoffsekt oren entwickelt, wie z.B. beim Goldabbau, bei der Eisenerzgewinnung oder bei der Extraktion von Baumaterialien (Kolumbien) oder im Kupferbergbau (Chile).
Das Ziel ist, mit weniger Energie, erneuerbarer Energie oder alternativen Transportmethoden Rohstoffe abzubauen, zu verarbeiten und transportieren zu können. Mit den hier gesammelten Erfahrungen können die Regierungen ihre Regelwerke und Strategien weiterentwickeln und diese auch in den internationalen Dialog- und Verhandlungsforen einfliessen lassen.
Der kolumbianische Entwicklungsplan assoziert den Bergbausektor mit den nachhaltigen Entwicklungszielen für eine menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum (Nr. 8), zum Ausbau von Infrastruktur und eine nachhaltige Industrialisierung (Nr. 9), für nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster (Nr. 12), für Leben an Land (Nr. 15) und für Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen (Nr. 16).
Das Projekt Rohstoffe und Klimawandel wird sowohl in Kolumbien als auch in Chile insbesondere zu den Zielen 12, 15 und 16 einen Beitrag leisten. Mit seinem Fokus auf der Reduzierung von Treibhausgasen wird auch ein direkter Beitrag zum Entwicklungsziel 13 (Maßnahmen zum Klimaschutz) geleistet.
Die Verbesserung der kolumbianischen und chilenischen Regelwerke zum Bergbau werden für die Gesamtbevölkerung beider Länder, also etwa 67 Mio. Menschen, indirekt Wirkungen erzielen. Abgesehen von den Ministerien sind eine Gruppe wichtiger Partner die Unternehmen aus den Sektoren Eisenerz, Gold und Baumaterialen (Kolumbien) und Kupferabbau (Chile). Zudem haben Regional- und Gemeindeverwaltungen ein gewichtiges Mitspracherecht beim Abbau ihrer Bodenschätze. Über Steuern und Abgaben können sie direkt sowie durch die Schaffung von Arbeitsplätzen indirekt davon profitieren. Gleichzeitig sind sie verantwortlich dafür, dass Umweltauflagen eingehalten werden. Daher sind regionale Umweltverwaltungen und die Regionalregierungen sowie Gemeinden vor allem in Kolumbien wichtige Akteure vor Ort.
Im Laufe des Projekts sollen etwa 900 Personen fortgebildet und sensibilisiert werden, damit in Betrieben und Ministerien spezielles Fachwissen entsteht, um die Rohstoffgewinnung klimafreundlicher zu machen, und dies in nationalen Regelwerken und Strategien verankert wird. Unter der Annahme, dass diese in beiden Ländern umgesetzt werden, könnten Einsparungen von Treibhausgasen in Höhe von 2,5 Mio. Tonnen CO2 bis zum Jahr 2030 erzielt werden.
Folgende vier Handlungsfelder bilden den Fokus des Projekts:
1. Konkrete Maßnahmen und Beispiele für klimafreundliche und energieeffiziente Rohstoffgewinnung in beiden Ländern.
2. Verbesserte Regelwerke für weniger Umweltschäden im Bergbausektor in Kolumbien.
3. Höhere Energieeffizienz im Rohstoffsektor Chiles.
4. Internationale Vernetzung und Dialog