Ausgangssituation
Die Mongolei verfügt über eine reiche und zum Teil einzigartige Biodiversität in unberührten Vegetationszonen von globaler Bedeutung. Die mongolische Fauna und Flora sind jedoch akut bedroht. Arten- und Habitatverluste, Waldzerstörung und Ent- waldung sowie eine weitgehend ungeregelte Übernutzung all- gemein zugänglicher Weideflächen haben zu einer komplexen Bedrohungssituation geführt, die den Fortbestand ganzer Öko- systeme zunehmend gefährdet.
Zu den allgemeinen Ursachen gehören ländliche Armut, fehlendes Wissen und fehlende Ressourcen. Die bisherige Bewirtschaftung und der Schutz von Biodiversität und Ökosystemen folgen überholten Prinzipien der Planwirtschaft. Dies gilt insbesondere auch für die Bewirtschaftung von Wäldern.
Die in der Mongolei bereits jetzt vergleichsweise stark ausgeprägten negativen Effekte des Klimawandels wie Temperaturerhöhungen
Niederschlagsrückgang, Zunahme von Extremwetterereignissen und Abnahme der Leistungsfähigkeit von Ökosystemen erden die Situation künftig weiter verschärfen.
Ziel
Die Akteure des mongolischen Forstsektors verfügen über er- probte Konzepte für den Schutz und die nachhaltige Nutzung von Waldökosystemen und deren Biodiversität und wenden diese an.
Vorgehensweise
Die Maßnahmen verbindet Politikberatung auf nationaler Ebene zu den Themen Klima, Biodiversität und Nutzung natürlicher Ressourcen mit der Umsetzung technischer und organisatorischer Innovationen auf regionaler Ebene in den Aimags und Soums. Auf lokaler Ebene arbeitet das Vorhaben direkt mit Forstkonzessionären und forstlichen Nutzergruppen zusammen.
Das Beratungsteam des Programms zur Verbesserung der gesetzlichen und administrativen Rahmenbedingungen unterstützt die Schaffung gesetzlicher und administrativer Voraussetzungen für nachhaltige Waldbewirtschaftung. Gemeinsam mit den Partnern arbeitet das Vorhaben an Verordnungen zur Nutzung genetischer Ressourcen – Stichwort „Access and Benefit-Sharing" –, an der Zertifizierung einer nachhaltigen forstlichen Bewirtschaftung oder Verordnungen zu Saat- und Vermehrungsgut, einschließlich einer umsetzungsfähigen
Finanzierungsstrategie.
Der Interventionsbereich „Pilotierung der nachhaltigen
Waldbewirtschaftung" zielt darauf ab, technische Instrumente und Konzepte für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung modell- haft anzuwenden. Hierbei handelt es sich insbesondere um waldbauliche Steuerung und Ertragsregelung. Dazu gehört auch die Abschätzung des nachhaltig realisierbaren Holzaufkommens als Voraussetzung für nachhaltige Versorgungsstra- tegien. Forstliche Nichtholzprodukte, wie Nüsse, Samen, Beeren und Medizinalpflanzen, leisten einen wesentlichen Beitrag zur Ernährungssicherung der ländlichen und städtischen Bevöl- kerung und zum Teil einen erheblichen und steigerungsfähigen Beitrag zum Einkommen der ländlichen armen Bevölkerung. Auch hierzu sollen Instrumente einer nachhaltigen Nutzung entwickelt werden.
Der Interventionsbereich „Berufliche Aus- und Fortbildung" ist darauf ausgerichtet, ein umfassendes Ausbildungssystem für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung pilothaft zu implemen- tieren. Das Ministerium für Arbeit wird bei der Verbesserung der Berufsschulausbildung von Forstwirten beraten, private Inventurfirmen werden für verbesserte Forsteinrichtungsver- fahren geschult, Forsteinheiten und Umweltämter werden für eine effiziente Kontrolle von geplanten und implementierten forstlichen Maßnahmen ausgebildet. Der bislang überwiegend von jungen Männern erlernte Beruf des Forstwirtes soll durch gezielte Beratung in Zukunft auch für Frauen attraktiver wer- den. Die Beratungsleistungen werden von einem Projektteam aus nationalen und internationalen Experten erbracht.
Die Maßnahme ist Teil des Schwerpunkts „Biodiversität" der deutsch-mongolischen Entwicklungszusammenarbeit und ori- entiert sich an internationalen Standards wie UN-REDD (Min- derung von Emissionen aus Entwaldung und Waldschädigung) und dem Programm zur Förderung der legalen Holznutzung ENA-FLEG (Europe and North Asia Forest Law Enforcement and Governance).
Die Consultingfirmen Landesbetrieb Hessen-Forst Consulting und ECO Consult Sepp & Busacker unterstützen die Umsetzung des Vorhabens.
Wirkungen
Die seit 2012 eingetretenen Verbesserungen des politischen und legal-administrativen Umsetzungsrahmens haben die Wahrscheinlichkeit übergeordneter entwicklungspolitischer Wirkungen des Vorhabens deutlich erhöht. Das Vorhaben trägt entscheidend dazu bei, entwicklungs- und umweltpolitische
Dialoge zu versachlichen und politische Umsetzungshindernisse zu verringern: durch den Aufbau von Kompetenzen und Leistungsfähigkeit, durch Informations- und Wissensmanagement sowie insbesondere durch die Bereitstellung aktueller und belastbarer Basisinformationen zu Fläche, Biodiversität, Karbonspeicher und Holzproduktion der mongolischen Wälder.
In Zusammenarbeit mit den sechs lokalen Berufsausbildungsinstituten in Selenge, Bulgan Khuvsgul, Zavkhan und Khentii Aimags haben zweifach kapazitätsbasierte professionelle Forstkurse erfolgreich begonnen. Darüber hinaus wurden Pilotgebiete in Schulwäldern eingerichtet, um nachhaltige Waldbewirtschaftungspraktiken umzusetzen. Erste Konzepte für eine nachhaltigere Waldbewirtschaftung wurden unter Berücksichtigung der neuen klimatischen Bedingungen ausgearbeitet. Qualifizierte und qualifizierte Forstarbeiter, die die Berufsschulen abschliessen, sollen weiterhin als Multiplikatoren der nachhaltigen Forstwirtschaft fungieren.
Die Ausarbeitung von Konzepten für eine nationale Zertifizierung nachhaltiger Waldbewirtschaftung unter Berücksichtigung sozialer Standards und Arbeitssicherheit ist weit vorangeschritten.