2018.2140.4

Entwaldungsfreie und klimafreundliche Landnutzung (ProBosque)

Auftraggeber
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit u. Entwicklung
Land
Dauer
–
Partner
Agencia Presidencial de Cooperación Internacional de Colombia

Wo und wie wir tätig sind …

Kolumbien ist eines der 17 Megadiversitäts-Länder, welche insgesamt über zwei Drittel der weltweiten landgebundenen Artenvielfalt beherbergen. Diese ist in Kolumbien vor allem in Waldgebieten vertreten, die etwa 52% bzw. 60 Mio. ha des Landes ausmachen. Nach einem über fünf Jahre kontinuierli-chen Rückgang der Entwaldung stieg diese mit der Unterzeich-nung des Friedensabkommens 2016 massiv an, auf 220.000 ha im Jahr 2017. In den darauffolgenden Jahren 2018 und 2019 nahm die Entwaldung zwar mit jeweils 197.000 bzw. 159.000 ha ab, jedoch verzeichnete man 2020 erneut einen Anstieg auf 172.000 ha.

Ein Großteil der Entwaldung konzentriert sich auf die Departe-ments Caquetá, Meta und Guaviare, welche in der kolumbian-schen Amazonasregion liegen. Während der Jahrzehnte des Bürgerkrieges waren große Teile dieser Gebiete faktisch unzu-gänglich, da sie unter Einfluss der Rebellengruppen standen. Nun können sie wieder betreten werden und sind gleichzeitig massiver Entwaldung ausgesetzt. Zu den Haupttreibern der Entwaldung zählen die Landspekulation, Coca-Anbau und illegaler Bergbau. Öffentliche Entwicklungsprojekte und Infra-strukturmaßnahmen tragen zum Waldverlust ebenso bei wie armutsbedingte, extensive Viehwirtschaft und die agroindustri-elle Produktion von Ölpalmen, und anderen Exportprodukten.

Der Holzsektor ist in Kolumbien nur rudimentär entwickelt und spielt wirtschaftlich eine sehr geringe Rolle, obwohl landesweit eine Fläche von ca. 17 Mio. ha ein hohes Potenzial zur nach-haltigen Naturwaldbewirtschaftung aufweisen. Wie kann diese aussehen? Es gibt in Kolumbien wenig Erfahrung mit der Be-wirtschaftung des Naturwaldes. Der Aufbau und die Stärkung von Wertschöpfungsketten aus Waldprodukten schaffen Ein-kommen, Beschäftigung und stärken die lokale Wirtschaftskraft. Wirksame Kontrollmechanismen und die Zuweisung von Land- und Nutzungsrechten sind dabei unabdingbar. Gemeinsam bilden diese die Kernelemente einer erfolgreichen und umfas-senden Strategie zur Bekämpfung der Entwaldung.

Für die Nutzung von Waldressourcen gibt es verschiedene institutionelle Zuständigkeiten. Diese sind zwischen den Um-weltbehörden (vor allem Umweltministerium und den regiona-len Umweltbehörden) und den landwirtschaftlichen Ministerien und Behörden aufgeteilt. Leider sind übergreifende Bestimmungen zur nachhaltigen Waldwirtschaft unvollständig oder veraltet und werden nicht konsequent umgesetzt. Außerdem fehlen technische und fi-nanzielle Förderprogramme zur Stärkung waldbasierter Wert-schöpfungsketten.

Die Regierung hat es sich zum Ziel gesetzt, die Entwaldung zu reduzieren. Hier setzt das Vorhaben Probosques an, mit dem Auftrag die nachhaltige Waldbewirtschaftung in ausgewählten Regionen Kolumbiens zu verbessern.

Was wir tun…

ProBosques ist in den Departments Meta und Caquetá der kolumbianischen Amazonasregion aktiv und führt Maßnahmen auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene durch.

Wertschöpfungsketten & nachhaltige Waldwirtschaft auf Unternehmerebene. ProBosques bildet kleine und mittlere Unternehmen sowie Kooperativen aus, um diesen mit neuen Produkten und verbesserten Produktionsabläufen einen bes-seren Zugang zu Absatzmärkten zu verschaffen. Die nachhaltige Wald- und Holzwirtschaft erhöht lokales Einkommen und erhöht damit das Interesse an der Erhaltung des Waldes – und seiner langfristigen, nachhaltigen Nutzung. Das Vorhaben unterstützt sieben Kooperativen (4 in Meta und 3 in Caquetá), die entlang der Wertschöpfungsketten von Holz- und Nicht-holzprodukten ihre Geschäftsmodelle verbessern, in Innovationen investieren, Allianzen bilden und somit rentabler werden.

Regionale Governance-Strukturen & nachhaltige Wald-wirtschaft. Gut koordinierte Governance-Strukturen können helfen, nachhaltige Bewirtschaftungspläne im Wald umzuset-zen. ProBosques arbeitet mit den regionalen „Runden Ti-schen" für Wald- und Forstpolitische Themen in Meta und Caquetá, welche sich aus Vertreter*innen aus Politik, Privat-sektor und Zivilbevölkerung zusammensetzen. GIZ stärkt die Akteure in ihrer Rolle und Handlungsfähigkeit. Gemeinsam werden regionale und lokale Maßnahmen koordiniert und umgesetzt. Dies alles mit dem Ziel, die Wald- und Holzwirt-schaft auf den Gedanken der Nachhaltigkeit auszurichten.

Rechtliche, institutionelle und finanzielle Rahmenbedin-gungen für eine nachhaltige Waldwirtschaft. Das Vorhaben berät das Umwelt- und das Landwirtschaftsministerium bei der Anpassung von rechtlichen Regelwerken, und hilft dabei,

einen Forstberatungsdienst zu entwickeln und zu erproben. Wald- und Holzwirtschaft benötigen Zugang zu Kapital, hierfür entwickelt das Vorhaben Finanzierungsinstrumente.

EXPOBosques

Gemeinsam mit dem Umweltministerium und in Kooperation u.a. mit FAO, WWF, GEF-Corazón de la Amazonia, Fondo Acción, ONF Andina und der norwegischen Botschaft, hat das Vorhaben eine virtuelle Forst- und Waldmesse veranstaltet: ExpoBosques. Mehr als 70 nationale und internationale Erfahrungen im Bereich der Waldwirtschaft konnten sich in der Web- und Mobileapp sowie in Foren austauschen. Sie veran-schaulichen wegweisende Elemente für eine nachhaltigere Waldwirtschaft in Kolumbien, insbesondere in Amazonien. Über 6.000 Personen haben die virtuellen Foren besucht und fast 3.000 Personen interagierten und nutzten auch die Web- und Mobile-App. Weitere Informationen zur ExpoBosques finden Sie unter www.probosquescolombia.org.

ProBosques knüpft in einigen Aspekten an das Vorhaben REDD+ (2013-2019) an, welches das Umweltministerium bei der Erstellung und Umsetzung der nationalen REDD+ Strategie unterstützte. Dazu zählen: die Förderung der „Runden Tische"; Maßnahmen, durch die die lokale Bevölkerung ihr Einkommen durch die pflegliche Nutzung des Waldes erhöht; die Beratung des Umweltministeriums zur Anpassung der rechtlichen Rahmenbedingung.

ProBosques arbeitet im Einklang mit dem Modul der finanziellen Zusammenarbeit „REDD Early Movers" an der Stärkung von Ansätzen, die zur Entwaldungs- und Emissionsreduzierung beitragen. 
Informationen

CRS-Schlüssel
31210

Entwicklungspolitische Kennungen

Hauptziel:

  • Biodiversitätskonvention

Signifikante Nebenziele:

  • Gleichberechtigung der Geschlechter
  • Demokratische und inklusive Regierungsführung
  • Klimawandel, Minderung von Treibhausgasen

Zuständige Organisationseinheit
2C00 Lateinamerika, Karibik

Nachfolger-Projekt
2022.2032.5

Auftragsvolumen (aktuelles Projekt)
6.125.921 €

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