Ausgangssituation
Obgleich Zentralamerika insgesamt nur etwa so groß wie Spanien ist, beherbergt die Region mehr als sieben Prozent der weltweiten Artenvielfalt. Durch den Klimawandel und das hohe Bevölkerungswachstum sind diese Naturressourcen stark gefährdet. Das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die biologische Vielfalt von 1992 (CBD) verfolgt unter anderem das Ziel, den Zugang und die ausgewogene und gerechte Aufteilung der sich aus der Nutzung der genetischen Ressourcen ergebenden Vorteile sicherzustellen. 2010 beschloss die Mehrzahl der Unterzeichnerstaaten der CBD dazu ein internationales Umweltabkommen, das Nagoya-Protokoll. Es trat im Oktober 2014 – nach der 50. Ratifizierung – in Kraft. Mittlerweile haben weitere Staaten das Protokoll ratifiziert.
Genetische Ressourcen bilden die Basis für eine Vielzahl an Produkten für Wirtschaft und Wissenschaft. Sie finden in der Biotechnologie, bei pharmazeutischen Produkten, Kosmetika, Gartenbau, Saatgut, Dünger, Pflanzenschutzmitteln, Lebensmitteln und Getränken Verwendung. In Zentralamerika ist das Thema brisant: Regierungen wollen die illegale Nutzung der Ressourcen durch ausländische Forschung und Unternehmen unterbinden, die sogenannte Biopiraterie. Einige zivilgesellschaftliche Organisationen und indigene Gemeinschaften wehren sich auch gegen die Vorstellung, ihre Lebensgrundlage sei ein ökonomischer Wert.
Das Nagoya-Protokoll verfolgt den Interessenausgleich zwischen den Ursprungsländern genetischer Ressourcen, meist Entwicklungs- oder Schwellenländer, und den Ländern, die die genetischen Ressourcen nutzen, meist Industrieländer.
Das Nagoya-Protokoll und die damit verbundenen Fragen und Konflikte sind in Zentralamerika entweder unbekannt oder es herrschen Fehlinterpretationen und Unklarheiten über Chancen, Risiken und Umsetzung. Dies gilt auch für die beteiligten Umweltministerien und angegliederte Behörden, Handelsinstitutionen, Patentbehörden, Unternehmen und die Zivilgesellschaft. Daher profitieren die Länder bis heute kaum von der Nutzung ihrer genetischen Ressourcen, obwohl dies erhebliche Vorteile mit sich bringen könnte, denn der wirtschaftliche Wert schafft Anreize für den Schutz der genetischen Ressourcen.
Ziel
Mitgliedsländer des Zentralamerikanischen Integrationssystems (SICA) setzen erste Maßnahmen zum fairen und gerechten Ausgleich der Vorteile um, die sich aus der nachhaltigen Nutzung genetischer Ressourcen und des damit verbundenen traditionellen Wissens ergeben.
Vorgehensweise
Auf regionaler Ebene initiiert das Vorhaben Fortbildungen und Dialogforen. Vertreter aus Politik, Zivilgesellschaft und Privatwirtschaft können dort Wissen und Informationen austauschen und sich über die Chancen und Risiken von Zugang und Nutzen der natürlichen genetischen Ressourcen informieren. Das Vorhaben verbessert und entwickelt Strategien, an denen sich die SICA-Mitgliedsstaaten orientieren können, um von ihren genetischen Ressourcen besser zu profitieren.
Studien und Fortbildungen informieren die Verantwortlichen aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, vor allem in El Salvador, Guatemala und Costa Rica, über den Zugang-Nutzen-Ausgleich der genetischen Ressourcen. Das Vorhaben unterstützt in diesen drei Ländern Prozesse zur Verbesserung des nationalen politischen, strategischen und rechtlichen Rahmens zur Umsetzung des Nagoya-Protokolls. Begleitet wird auch der nationale Dialog zum Thema, zu dem auch gute internationale Erfahrungen sowie Vorschläge zu ihrer Umsetzung eingebracht werden.
Gemeinsam mit der Bevölkerung präsentiert das Vorhaben auf der lokalen Gemeindeebene beispielhaft, wie Länder Produkte der Biodiversität oder solche, die auf genetischen Ressourcen basieren, wirtschaftlich und sozial vorteilhafter nutzen können. Die Ergebnisse werden den Verantwortlichen der lokalen und nationalen Regierungen vorgelegt und mit der internationalen Wirtschaft verbunden. So entstehen Anreize, die zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung der biologischen Ressourcen beitragen.