Die Herausforderung
Die Textilindustrie ist für viele asiatische Länder ein zentraler Wirtschaftszweig. In Bangladesch und Kambodscha erwirt-schaftet sie rund 80 Prozent aller Exporteinkünfte, in Pakistan mehr als 50 Prozent. In Vietnam ist die Textil- und Bekleidungs-industrie in den letzten Jahren jährlich um mehr als 10 Prozent gewachsen. So unterschiedlich die Ausgangsbedingungen in den Ländern auch sind, so stehen sie doch vor ähnlichen, großen Herausforderungen: menschenwürdige Bedingungen für die Arbeiterinnen und Arbeiter sicherstellen und Umweltbelastungen reduzieren. Um diese Herausforderungen zu bewältigen und gleichzeitig weiter zu expandieren, muss sich die Industrie sozial, ökologisch und ökonomisch nachhaltiger aufstellen. Das ist möglich, erfordert jedoch Zusammenarbeit: lokale Produktionsbetriebe, Wirtschafts-verbände, Ministerien, Gewerkschaften, Zivilgesellschaft und internationale Modemarken können viel voneinander lernen – vor allem, wenn sie bereit sind, enger als bislang zusammenzuarbeiten.
Das Ziel
Das Projekt FABRIC (Förderung einer nachhaltigen Textil- und Bekleidungsindustrie in Asien) unterstützt die asiatische Textil-industrie bei ihrer Transformation hin zu einer fairen Produktion für Mensch und Umwelt. Es identifiziert die gemeinsamen Interessen der Akteurinnen und Akteure in der asiatischen Textilindustrie und vernetzt sie mit dem Ziel, ein gemeinsames Verständnis von Nachhaltigkeit zu entwickeln und eine stärkere Zusammenarbeit zu fördern. Das Projekt schafft einen Wissenspool aus erfolgreichen Nachhaltigkeitsinitiativen in den einzelnen Ländern und verbreitet dieses Know-How in der gesamten Region. In Zusammenarbeit mit globalen Initiativen wie dem Bündnis für nachhaltige Textilien arbeitet FABRIC mit Stakeholdern der Industrie an einer gemein-samen Positionierung zu den Kriterien nachhaltiger Produktion.
Die Arbeitsgebiete
Regionaler Dialog und Wissenstransfer: Enge Netzwerke und regelmäßiger Wissensaustausch helfen dem Sektor, nachhaltige Geschäftsmodelle flächendeckend umzusetzen. Das Projekt bringt Akteurinnen und Akteure zusammen, schafft Vertrauen und motiviert sie dazu, sich für einen stärkeren Wissenstransfer einzusetzen. FABRIC arbeitet zudem erfolgreich mit chinesischen Investorinnen und Investoren zusammen, um beispielsweise Schulungen in chinesischer Sprache in chinesisch geführten Fabriken in Myanmar und Kambodscha durchzuführen. Kooperation mit der Privatwirtschaft: Das Projekt motiviert internationale Einkäuferinnen und Einkäufer ihre Marktmacht zu nutzen, um Nachhaltigkeit zu fördern. So können sie etwa die Arbeitsbedingungen in Fabriken vor Ort verbessern, indem sie gemeinsam mit den Produzentinnen und Produzenten praktische Lösungen erarbeiten. Diese Lösungsansätze werden dann auf andere Akteurinnen und Akteure übertragen, etwa durch strategische Allianzen oder integrierte Entwicklungspartnerschaften. Sozial und Arbeitsstandards mit besonderem Fokus auf Gender: Arbeiterinnen und Arbeiter sind zunehmend bereit, für ihre Rechteeinzutreten. Gleichzeitig steigt der Druck durch Konsumentinnen und Konsumenten und der internationalen Einkäuferinnen und Einkäufer, diese Rechte zu verwirklichen. Die Mehrheit der Arbei-terinnen und Arbeiter in der Textilindustrie sind Frauen, die meist in gering qualifizierten und schlecht bezahlten Jobs mit wenig Aussicht auf beruflichen Aufstieg arbeiten. Das Projekt verfolgt das Ziel, mehr Bewusstsein für Arbeitsrechte zu schaffen, Informationen bereitzustellen und lokale Kompetenzen im Bereich Arbeits- und Sozialstandards zu schaffen. FABRIC schafft auch Repräsentationsmechanismen, die es Arbeiterinnen und Arbeitern ermöglichen, ihre Interessen zu schützen.Umwelt: FABRIC verfolgt das Ziel, Lernerfahrungen und Lösungs-ansätze zu Umwelt- und Ressourcenmanagement, die in den einzelnen Ländern Asiens erprobt wurden, länderübergreifend zu verbreiten. Dabei geht es einerseits darum, konkretes Wissen weiterzuvermitteln, wie zum Beispiel der Einsatz giftiger Chemikalien vermieden werden kann oder wie man sich an Klimaschutz-maßnahmen beteiligt. Andererseits vermittelt das Projekt, wie relevant effizientes Umweltmanagement ist und unterstützt dabei, entsprechende Maßnahmen umzusetzen.
Die Wirkungen
Arbeitsbedingungen und rechte: Das Projekt erreichte in seinen Partnerländern rund 185.000 Arbeiterinnen und Arbei-ter durch Informationskampagnen und Schulungen sowie Beratungsdienste zur Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen. Rund 70.000 Arbeiterinnen und Arbeiter in über 50 Fabriken in Kambodscha, Myanmar und Pakistan haben von Dialog-trainings, beispielsweise zur Verbesserung der Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz, profitiert. FABRIC hat bei einigen dieser Schulungen mit internationalen Marken wie adidas, Tchibo und H&M zusammengearbeitet. Dadurch sank beispielsweise die Unfallrate in den teilnehmenden Fabriken um bis zu 34 Prozent. In Kambodscha arbeitete FABRIC mit dem Arbeitsministerium zusammen, um den Verhaltenskodex für Arbeitsinspektorinnen und -inspektoren zu überarbeiten, und bot auf dieser Grundlage umfassende Schulungen für 180 Inspektorinnen und Inspekto-ren an. Zur Vermittlung von Informationen zu Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz hat FABRIC zwei Apps für Arbeit-nehmerinnen und Arbeitnehmer in Myanmar und Kambodscha entwickelt.
Regionaler Wissensaustausch: FABRIC gründete das erste interasiatische Netzwerk von Produzentinnen und Produzenten unter dem Namen „STAR" (Sustainable Textile of the Asian Region). Die Partnerschaft resultierte in einer Reihe von Konferenzen mit dem Titel „Asian Dialogues on Sustainability of the Textile and Garment Sector". Mit Beginn der Pandemie 2020 starteten Vertreterinnen und Vertreter des STAR Netzwerkes eine neue Initiative, die bessere Einkaufspraktiken in der Textil- und Bekleidungsindustrie fordert. Die Initiative hilft Herstellerinnen und Herstellern dabei, ihre Forderungen nach fairen Zahlungs- und Lieferpraktiken zu formulieren und erhält große mediale Aufmerksamkeit. CoronaSofortmaßnahmen: Als Reaktion auf die dramatischen Auswirkungen von Covid-19 konzentrierte sich das Projekt zu Beginn der Pandemie auf die schnelle Aufklärung von Arbeiterinnen und Arbeitern durch Informationskampagnen und auf Maßnahmen der Infektionsreduzierung von Covid-19. So erhielten mehr als 70.000 Arbeiterinnen und Arbeiter durch Schulungen, zwei Apps und eine Medienkampagne zuverlässige Informationen zu Covid-19. Darüber hinaus organisierte FABRIC 11 Online-Seminare mit mehr als 45 Referentinnen und Referen-ten aus 12 Ländern mit über 1.800 Teilnehmenden.