Ausgangssituation
Peru hat den zweitgrößten Flächenanteil am Amazonasgebiet. Der tropische Regenwald ist durch die Ausweitung der Agrargrenze, illegalen Holzeinschlag und die Auswirkungen des Klimawandels massiv bedroht. Die Entwaldung verursacht rund 47 Prozent der CO2-Emissionen Perus.
Rund 15 Prozent der 126 Schutzgebiete mit insgesamt 22,1 Millionen Hektar sind Kommunalreservate. Sie gehören zusammen mit den sie umgebenden Pufferzonen zu den traditionellen Lebensräumen der indigenen Bevölkerung. 10 Kommunalreservate mit etwa 2 Millionen Hektar geschützter Waldfläche werden bisher vom Staat und der lokalen Bevölkerung im Ko-Management gemeinsam verwaltet. Die natürlichen Ressourcen werden von der lokalen Bevölkerung dort direkt genutzt.
Das Ko-Management ist bisher wenig effektiv. Adäquate Instrumente und Ressourcen fehlen, um Naturschutzmaßnahmen und nachhaltiges Waldressourcenmanagement in den Pufferzonen umzusetzen. Die Vertretung der lokalen Bevölkerung (Ejecutores de Contrato de Administración con el Estado, ECA) kann ihre Funktion als Partner der staatlichen Naturschutzbehörde SERNANP nur unzureichend wahrnehmen.
Ziel
Das Ko-Management zum Erhalt und zur nachhaltigen Nutzung von Biodiversität wird in ausgewählten Schutzgebieten und den sie umgebenden Pufferzonen erfolgreich umgesetzt.
Vorgehensweise
Für ein effizientes Ko-Management muss das bisherige Konzept überarbeitet und weiterentwickelt werden. Rechtliche Voraussetzungen müssen revidiert, die Partner gestärkt und Beteiligungsmechanismen verbessert werden.
1.Für die Vertretung der lokalen Bevölkerung ECA müssen finanzielle Voraussetzungen geschaffen werden. Die Zusammenarbeit der Ko-Management-Akteure muss verbessert werden.
2.Für verbesserten Naturschutz werden kontext- und kulturangepasste Instrumente entwickelt. Sie werden von den am Ko-Management beteiligten Institutionen und Organisationen eingesetzt.
3.Im Rahmen von Wertschöpfungsketten nutzt die lokale Bevölkerung die Waldprodukte in den Pufferzonen nachhaltig, um zusätzliches Einkommen zu erwirtschaften. So entsteht ein Anreiz zur Bewahrung der natürlichen Ressourcen.
4.Erfahrungen werden ausgetauscht, das verbesserte Ko-Management-Konzept wird als effektiver Naturschutzansatz verbreitet und in den Naturschutzreformprozess eingespeist. Das Ko-Management wird auf diese Weise institutionell verankert.
Wirkung – Was bisher erreicht wurde
In Arbeitsgruppen und Workshops wurden die Regelwerke von allen Beteiligten gemeinsam analysiert und Ideen für eine Neufassung entworfen. Die Bearbeitung der Ko-Management-Richtlinien machte das Thema weit über das Projekt hinaus bekannt; es wurde unter anderem in indigenen Organisationen und Institutionen diskutiert.
2013 konnten 18 indigene Dorfgemeinschaften zusätzliches Einkommen aus der Verarbeitung und dem Verkauf nachhaltig bewirtschafteter Waldprodukte erzielen. Zusammen mit den Frauen wurde in weiteren Dörfern Produktion und Qualität von Kakao verbessert, wodurch sich die Einkommen ab 2014 erhöhen werden.
Die lokalen Mitarbeiter der staatlichen Naturschutzbehörde SERNANP und das Direktorium der ECA sind informierter und können ihre Rollen als Ko-Management-Partner kompetenter wahrnehmen. Durch Beratungen, Kurse und Workshops wurden ihre Rechts-, Management- und Finanzverwaltungskenntnisse deutlich erweitert – wichtige Voraussetzungen für eine effizientere Führung und Verwaltung ihrer Organisationen.
Ein zusammen mit der Naturschutzbehörde entwickeltes Informationsmanagementsystem zur Förderung der Zusammenarbeit der Ko-Management-Akteure wird aufgebaut.
Die Mitarbeiter des Umweltministeriums, von SERNANP und von drei Regionalregierungen sind in der Anwendung einer neu entwickelten Methode (MARISCO) geschult. Damit können sie die Anfälligkeit von Schutzgebieten und natürlichen Waldökosystemen aufgrund des Klimawandels analysieren, eine wichtige Grundlage für Klimaanpassungsstrategien.
Entlang des Höhentransekts Yuyapichis arbeitet ein Biodiversitätsmonitoringsystem mit fünf Monitoringkategorien (Vegetation, Vögel, Amphibien, Baumstammwachstum, Klima) und fünf Messstationen auf verschiedenen Höhenlagen. In einem Forschungs- und Monitoringnetzwerk zusammengeschlossene Universitäten und Forschungseinrichtungen in Peru, den USA. England und Deutschland beteiligen sich an der Datenabnahme, -verarbeitung und -analyse.
Mit einem Konzept zur interkulturellen Umwelterziehung wurden die Schulen in den Pufferzonen in die Ko-Managementbemühungen der Kommunalreservate einbezogen. In 13 indigenen Dörfern mit insgesamt etwa 2.000 Schülern, Lehrern und Schulverwaltungen wurden beispielhaft Wettbewerbe und Workshops zum Biodiversitätserhalt durchgeführt und methodisch verbessert.
Durch neu genehmigte Forstmanagementpläne können zukünftig 4.159 Hektar Wald zusätzlich geschützt und nachhaltig genutzt werden. Aufgrund der Teilumsetzung von Forstmanagementplänen in 23.221 Hektar Wald konnten sechs indigene Dorfgemeinschaften Kautschuk, Holz und Copaiba verkaufen. Damit wurden ökonomische Anreize zur Bewahrung der Biodiversität geschaffen.
Das Projekt beriet und unterstützte die Dorfgemeinschaften bei der Erstellung und Genehmigung der Forstmanagementpläne sowie bei der Ernte, Verarbeitung, Lagerung und beim Verkauf der Produkte. Es unterstützte die Forstbehörde bei der Vereinfachung der Abläufe zur Erstellung und behördlichen Genehmigung der Managementpläne, was der indigenen Bevölkerung im ganzen Land zugutekommt.