Nachhaltiges Facility-Management an öffentlichen Schulen im Libanon (SUFA)
Projektnummer: 2019.4048.5
Laufzeit: 09/2019-08/2024
Auftraggeber: BMZ, Referat 501/301
Mittelquelle: Sonderinitiative „Geflüchtete und Aufnahmeländer"
Projektvolumen: 26.000.000 EUR
Projektträger: Ministry of Education and Higher Education (MEHE)
Auftragsverantwortlich: Lama Z. Tabet
Kurzbeschreibung des Vorhabens und des deutschen Beitrags
Der Libanon erlebt derzeit eine der schwierigsten Wirtschaftskrisen weltweit, welche sich in überschneidenden und aufeinander folgenden Krisen begründet: Flüchtlingskrise (seit 2011); politische Krise und Schuldenkrise (anhaltende Auswirkungen des Bürgerkriegs 1975-90); Banken- und Währungskrise (seit August 2019); COVID-19-Krise (seit März 2020) sowie die Explosion im Hafen von Beirut (August 2020). Die verschärfte Sicherheitslage seit dem 7. Oktober 2023 mit täglichen militärischen Zusammenstößen zwischen den Israelischen Verteidigungsstreitkräften (IDF) und der Hisbollah im Süden des Landes hat die Fähigkeit des öffentlichen Sektors, Unterstützung zu leisten, weiter eingeschränkt.
All diese Krisen haben u.a. unmittelbare Auswirkungen auf das öffentliche Bildungssystem. Das libanesische Ministerium für Bildung und Hochschulwesen (MEHE) reagierte auf die Flüchtlingskrise, indem es öffentliche Schulen in Doppelschichten betreibt, wobei syrische Kinder mit Fluchthintergrund in einer Nachmittagsschicht betreut werden. Dies belastet jedoch die ohnehin schon fragile Infrastruktur der öffentlichen Schulen zusätzlich. Später veranlasste die COVID-19 Pandemie die Schließung von öffentlichen Schulen und aufgrund von mangelnden digitalen Kapazitäten wurde das Recht auf Bildung weiter stark eingeschränkt. Parallel dazu trugen die sich verschärfende Wirtschaftskrise und der rekordverdächtig niedrige Wechselkurs der libanesischen Lira gegenüber dem US-Dollar weiter zum Zusammenbruch der Grundversorgung (Wasser-, Strom-, Treibstoff-, Lebensmittelknappheit, usw.), was den öffentlichen Sektor, einschließlich der Lehrer*innen, zum Streik veranlasste. Sowohl überfüllte als auch verlassene Schulen führen zu einer Verschlechterung der Schulinfrastruktur, so dass die Gefahr von Schulabbrüchen und der völligen Schließung von Schulen besteht. Darüber hinaus wurden Schulen im Süden des Landes aufgrund des anhaltenden militärischen Konflikts geschlossen, wovon mehr als 8.800 Schüler betroffen sind (UNOCHA, März 2024). Somit ergeben sich unzureichende Lernbedingungen für libanesische Kinder und syrische Kinder mit Fluchthintergrund in den Aufnahmegemeinden (Kernproblem). Um das öffentliche Schulsystem im Libanon bei seinen Bemühungen zu unterstützen, trotz der vielschichtigen Krisen im Land einen breiten Zugang zu hochwertiger Bildung zu gewähren, hat sich das Vorhaben folgendes Ziel gesetzt:
Die schulischen Rahmenbedingungen für libanesische Kinder und syrische Kinder mit Fluchthintergrund in den Aufnahmegemeinden sind zu verbessern.
Hierfür verfolgt das Vorhaben einen integrierten Ansatz, der sich auf die folgenden vier Bereiche stützt: 1) Facility Management (FM), d.h. die Einführung nachhaltiger Facility-Management-Praktiken zur Optimierung des Schulbetriebs und der Betriebskosten; 2) Grüne Schulen, d.h. die Verringerung des ökologischen Fußabdrucks der Schule, die Schaffung von Außenanlagen sowie die Sensibilisierung zu Umweltschutz; 3) Digitale Kapazitäten, d.h. die Bereitstellung von Hardware, einer Blended-Learning-Lösung und Kapazitätsaufbau, die den Offline-Zugang pädagogischen und co-curriculare Aktivitäten ermöglichen und die Lücken beim Strom- und Internetzugang sowie bei der physischen Anwesenheit überbrücken. 4) Gesunde Schulen, d.h. die Bereitstellung von Snacks und Förderung gesunder Ernährung und Gewohnheiten durch Saj Stationen in Zusammenarbeit mit lokalen Landwirtschaftsverbänden.
Das Vorhaben ist Teil der Sonderinitiative „Geflüchtete und Aufnahmeländer". Die Maßnahme ist dem Aktionsfeld 2 „Stabilisierung der Aufnahmeregionen" sowie Aktionsfeld 3 „Unterstützung von Flüchtlingen, Binnenvertriebenen und Rückkehrern" zugeordnet.
Durchführungsstand Projekt
Im Jahr 2022 wurde die Projektlaufzeit bis 08/2024 verlängert und ein Änderungsangebot unter Berücksichtigung der veränderten Rahmenbedingungen wurde vom BMZ in 05/2024 genehmigt. Dies ermöglicht es, die bereits zusammen mit den Partnern entwickelten Ansätze und Instrumente zu FM, ressourceneffizienten Technologien und Umweltbildung sowie digitales Lernen und Schulernährung weiter zu konsolidieren und ihre Umsetzung in den jeweiligen Handlungsfeldern auszuweiten.
Im Rahmen von Handlungsfeld 1 zur Etablierung von nachhaltigem Facility Management an öffentlichen Schulen berät das Vorhaben das Directorate General of Education (DGE) des MEHE bei der Entwicklung eines Orientierungsrahmens und verschiedener Soft- und Hardtools (u.a. Erarbeitung einer Handreichung zur Schulwartung und Standardbetriebsverfahren; Bereitstellung von Werkbänken und Hardware). Das Projekt bezieht die verschiedenen administrativen und technischen Abteilungen des MEHE ein und bindet auch das Schulpersonal der 25 Pilotschulen in den Prozess mit ein, um ein Gleichgewicht zwischen Top-down- und Bottom-up-Ansätzen zu gewährleisten. Der Orientierungsrahmen wurde fertiggestellt und die offizielle Übergabe an das Ministerium fand 05/2024 statt. Gemeinsam mit dem Finanzierungsempfänger Lebanese Alternative Learning (LAL) wurde darüber hinaus eine digitale Plattform (Idara) zur Erleichterung des FM, welches insbesondere die Verwaltung von IT-Hardware in Schulen umfasst, entwickelt und dem Schulpersonal zur Verfügung gestellt. 20 Projektschulen wurden in der Nutzung des FM-Rahmens und der digitalen Plattform geschult.
Handlungsfeld 2 zielt auf die Einführung eines grünen Schulkonzepts an öffentlichen Schulen, das einen ganzheitlichen Ansatz der Bildung für nachhaltige Entwicklung verfolgt, bei dem Prinzipien der Nachhaltigkeit und Klimaverträglichkeit den Betrieb und den Unterricht leiten. Die Umsetzung des grünen Schulkonzepts umfasst Umweltmaßnahmen und Außengrünflächen an Schulen sowie die Verankerung von Umweltbildung im Schulalltag. Bei den Baumaßnahmen liegt ein besonderes Augenmerk auf off-grid Lösungen in den Bereichen Energie und Wasser, um dadurch den andauernden Versorgungsengpässen entgegenzuwirken. Bei der Schaffung der Außengrünflächen liegt der Schwerpunkt auf der Bereitstellung von Spiel- und Sportplätzen, Schulgärten sowie Freiluft- Klassenzimmern. Zu diesem Zweck kooperiert das Projekt mit einem Expertenpool aus libanesischen Umweltingenieur*innen, Architekt*innen und Designer*innen sowie dem Projektpartner Lebanese Center for Energy Conservation (LCEC). Die entwickelten Prototypen und Designs werden in einem „Best-Practice-Katalog" zusammengefasst, "um die Skalierbarkeit und Nachhaltigkeit der Entwürfe zu gewährleisten. Bezüglich der Umweltsensibilisierungsmaßnahmen hat der Finanzierungsempfänger LAL pädagogische und co-curriculare Aktivitäten zu Umweltthemen entwickelt und digitalisiert, die auf der Tabshoura-Plattform kostenlos zur Verfügung stehen. Die Nichtregierungsorganisation Teach for Lebanon (TFL) führte an 25 Schulen Veranstaltungen zur Sensibilisierung von Schüler*innen, Lehrpersonal und Eltern für die Umwelt durch. Ziel ist es, die Schüler*innen für die Umwelt zu sensibilisieren und die Umweltbilanz an den Schulen durch eine Verringerung der CO2-Emissionen in mindestens 18 von 25 Pilotschulen zu verbessern. Hybrid-Solaranlagen und energieeffiziente Geräte wurden in 30 Schulen und im Bir Hassan Educational Center Sports Unit installiert. Spielplätze, Gärten und Lernbereiche im Freien sowie wassersparende Anwendungen und Regenwassersammelsysteme wurden ebenfalls in 22 Schulen eingerichtet.
Im Handlungsfeld 3 steht die Stärkung der digitalen Kapazitäten an öffentlichen Schulen im Mittelpunkt. Da es den Schulen und auch vielen Familien der Schüler*innen grundsätzlich an IT-Endgeräten für digitale bzw. hybride Unterrichtsformate fehlt, unterstützt das Vorhaben den Aufbau eines Ausleih- und Nutzungssystem für IT-Endgeräte (Tablets, Computer, lokale Netzwerke). Im Rahmen des Projekts wurden 60.000 Tablets und 6.000 Laptops angeschafft und an 83 öffentliche Schulen verteilt. Das MEHE wurde darüber hinaus mit der Bereitstellung von Laptops für 8 Allgemeinbildungszentren und 10 technische Institute unterstützt, die Schüler*innen, die im Zuge des anhaltenden militärischen Konflikts aus den südlichen Regionen vertrieben wurden, Zugang zu Bildung bieten. Darüber hinaus unterstützte der Finanzierungsempfänger Teach for Lebanon die Schulen bei der Konfiguration der Tablets und Lebanese Alternative Learning (LAL) schulte Schüler*innen, Lehrpersonal, Mitarbeiter*innen und Eltern im Umgang mit den IT-Geräten und der Tabshoura-Plattform. Tabshoura wurde von LAL entwickelt und ist als App auf den Tablets zugänglich. Da die Bildungsinhalte auch offline abrufbar sind, kann Tabshoura sowohl im Unterricht als auch zu Hause für kontrollierte Selbstlernphasen genutzt werden. Tabshoura wird in die nationale E-Learning-Plattform (Mawaridi) des Center of Educational Research and Development (CERD) eingebunden. Zusätzlich wurde das Lehrpersonal bei der Einführung einer ebenfalls von LAL entwickelten digitalen Plattform (LALMoudaress) unterstützt.
Handlungsfeld 4 zielt auf hat die Verbesserung der Schulernährung und - gesundheit. Um das Thema Schulernährung nachhaltig in den Schulalltag zu integrieren, richtet SUFA zusammen mit dem Projektpartner Fairtrade Lebanon (FTL) an 25 ausgewählten öffentlichen Schulen sogenannte Saj-Stationen ein, um gesunde Schulmahlzeiten während des Schuljahres zu ermöglichen. Die Übergabe der Ausstattung wird mit Schulungsmaßnahmen zum Betrieb und zur Wartung der Stationen sowie zur Hygiene in der Gastronomie kombiniert. Zusätzlich wurde ein Betriebskonzept für die Wartung und den Betrieb der Saj-Stationen entwickelt, welches dem MEHE übergeben wird. Als Reaktion auf die Auswirkungen der Wirtschaftskrise und die langen Schulschließungen entschied das MEHE Schulen während der Sommerferien für Schülerinnen und Schüler zugänglich zu machen (national Summer School Programme 2023). Schüler*innen, die die Sommerschulen besuchen, erhielten akademische Unterstützung, um die Lücke der langen Schulschließungen zu schließen. SUFA unterstützte zusammen mit Fairtrade Lebanon das Programm mit der Verteilung von über 200.000 gesunde und lokal produzierte Schulmahlzeiten für die Schüler*innen. Darüber hinaus sensibilisierte SUFA gemeinsam mit Teach for Lebanon Schüler*innen, Lehrpersonal und Eltern mithilfe von Tagen der offenen Tür zum Thema gesunde Ernährung an 83 public schools.