Ausgangssituation
Unternehmen können eine wichtige Rolle dabei spielen, die Ursachen des Biodiversitätsverlusts zu bekämpfen. Denn einerseits sind die Leistungen der Natur Grundlage vieler Wirtschaftsprozesse, andererseits werden Biodiversität und Ökosysteme durch wirtschaftliche Aktivität verändert – und vielfach degradiert.
Ein vielversprechender Ansatz ist die Stärkung biodiversitätsfreundlicher Produktion und Vermarktung. Entlang von Wertschöpfungsketten erfolgt dabei die Förderung von Aktivitäten, die positive Wirkungen auf Biodiversität und Ökosysteme haben und negative Wirkungen reduzieren können.
Trotz seines Potenzials ist dieser Ansatz bislang wenig verbreitet. Es gilt, neue Möglichkeiten zur Förderung und Finanzierung einer biodiversitätsfreundlichen Produktion und Vermarktung zu identifizieren und umzusetzen.
Kurzbeschreibung
Das globale Vorhaben Private Business Action for Biodiversity hat sich zum Ziel gesetzt, erfolgversprechende Methoden und Instrumente zur Förderung biodiversitätsfreundlicher Produktion und Vermarktung zu identifizieren, sie modellhaft zu erproben, weiter zu entwickeln und die gewonnenen Erfahrungen so aufzuarbeiten, dass sie von privaten und öffentlichen Akteuren genutzt werden können. In der Orientierungsphase wurden hierfür erfolgversprechende Ansätze und Erfahrungen in Brasilien, Indien und Mexiko in der Land- und Forstwirtschaft aus den Bereichen Capacity Development, Wirkungsmonitoring, Managementtools, Rückverfolgbarkeit und Finanzierungsmechanismen identifiziert.
In der Implementierungsphase werden insbesondere mit kleinen und mittelständischen Unternehmen ausgewählte Methoden und Instrumente modellhaft getestet und weiterentwickelt:
Brasilien: Das Vorhaben entwickelt Gute Praktiken für die Sammlung von Carnaubawachs und baut eine Multistakeholder-Initiative zu Nachhaltigem Carnauba auf. Zudem wird auf Flächen, auf denen Açaífrüchte gesammelt oder angebaut werden, gemeinsam mit dem Forest Stewardship Council (FSC) ein Wirkungsmonitoring für Ökosystemdienstleistungen getestet.
Indien: Das Vorhaben fördert beim Anbau von Gewürzen (Kardamom, Muskatnuss, Pfeffer, Zimt und Chili) im Biodiversitätshotspot Western Ghats die Anpassung und Erprobung von „Biodiversity-Action-Plans" in (klein-)bäuerlichen Betrieben als methodischen Ansatz.
Mexiko: Das Vorhaben richtet ein Monitoringsystem für die biodiversitätsfreundliche Herstellung von Agavenprodukten ein, bei dem die Kosten in den Produktionsprozess integriert werden. Es geht hierbei auch darum, den Schutz der Fledermäuse als Agavenbestäuber zu verbessern.
Multiplikatorwirkung
Die aufgearbeiteten Umsetzungserfahrungen mit den getesteten Methoden und Instrumenten sollen eine biodiversitätsfreundliche Produktion und Vermarktung breitenwirksam unterstützen. Die Instrumente wurden so gewählt, dass sie sowohl skalierbar als auch auf andere Sektoren und Standorte übertragbar sind und auf nationaler und internationaler Ebene einen konkreten Beitrag zur aktuellen Debatte um Mainstreaming von Biodiversität leisten. Die Pilotinterventionen in Brasilien, Indien und Mexiko dienen dabei auch als „reality-check" um sicherzustellen, dass internationale Strategien auch auf nationaler und lokaler Ebene umsetzbar sind.
Zu diesem Zweck arbeitet das Vorhaben entlang von Wertschöpfungsketten mit einem breiten Netzwerk von Produzenten, Lieferanten, Groß- und Einzelhandel und größeren Betrieben, Zertifizierern, Business & Biodiversity-Initiativen sowie Forschungsinstitutionen und mit Organisationen der Zivilgesellschaft.