2011.2186.2

Projekt zur dualen Journalistenausbildung

dd_project_db.evaluation_notice.text
Auftraggeber
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit u. Entwicklung
Land
Dauer
–
Partner
Ministerio de Comunicacion

Bezeichnung: Duale Journalistenausbildung (ProPeriodismo)

Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)

Land: Bolivien

Politischer Träger: Ministerio de Comunicación

Projektlaufzeit: 2013 bis 2015

Ausgangssituation

In Bolivien gibt es wenig unabhängige Berichterstattung und keine öffentlich-rechtlichen Medien. Bürgerinnen und Bürger werden deshalb selten ausgewogen informiert. Im Selbstverständnis des Kommunikationsministeriums ist es Aufgabe der staatlichen Medien, Perspektive und Arbeit der Regierung darzustellen und ein Gegengewicht zu den privaten Medien herzustellen. Private Zeitungen, Radiosender und Fernsehstationen werden in der Regel der Opposition zugerechnet.

Angehende Journalistinnen und Journalisten wurden bislang entweder an der Universität oder durch Learning by Doing ausgebildet. Spezialisierte universitäre Ausbildungsmöglichkeiten sind jedoch begrenzt. Der größte Teil der Journalisten hat Kommunikationswissenschaften studiert. Journalismus ist dabei meist ein Fachgebiet neben anderen. Die meisten Studierenden sind nach ihrem Abschluss für den Beruf des Journalisten nicht ausreichend qualifiziert. Die Universitäten können theoretische Modelle in den meisten Fällen nicht mit der beruflichen Praxis und dem medialen Arbeitsalltag verbinden.

Ein Aus- und Weiterbildungssystem speziell für Journalisten ist nicht vorhanden. Lediglich die Fundación para el Periodismo (FPP) und einige Universitäten bieten Seminare an. Fortbildungen für Sparten wie Sportberichterstattung, Wirtschafts- oder Kulturjournalismus existieren nur vereinzelt. Eine mit der Praxis verzahnte Ausbildung – ähnlich dem Volontariat in Deutschland – gibt es nicht.

Besonders schwierig ist die Situation im ländlichen Raum. Journalisten kleinerer oder ländlicher Medien haben kaum Zugang zu Universitäten und erlernen ihr Handwerk meist während der Arbeit. Aber auch in Redaktionen der großen Zeitungen ist der Anteil an Autodidakten, vor allem unter den Älteren, hoch. Während in den Universitäten der Praxisbezug fehlt, mangelt es in der On-the-Job-Ausbildung an der systematischen Entwicklung und Anwendung professioneller Kriterien und ethischer Standards.

Eine qualitativ hochwertige Ausbildung von Journalisten ist eine notwendige Voraussetzung für gute Berichterstattung. Die Medien in Bolivien sind nur selten in der Lage, als Kontrollinstanz der Politik zu fungieren. Der Bevölkerung fehlt somit eine ausreichende Grundlage, um gesellschaftliche und politische Entscheidungen informiert zu treffen. Dies ist beispielsweise im Kontext der regionalen Autonomieprozesse von erheblicher Bedeutung.

Das Vorhaben ProPeriodismo ist eine Kooperation zwischen der GIZ und der DW Akademie, dem internationalen Zentrum der Deutschen Welle für Medienentwicklung, Medienberatung und journalistische Aus- und Fortbildung.

Ziel

Die Journalistenausbildung in Bolivien ist praxisorientiert und integriert internationale und professionelle Standards sowie die Reflexion über die demokratische Funktion der Medien.

Vorgehensweise

Gemeinsam mit der Stiftung Fundación Para el Periodismo (FPP) und in Zusammenarbeit mit den örtlichen Medien soll ein Pilotprogramm für duale Journalistenaus- und Weiterbildung entwickelt werden. Bei der Entwicklung des Curriculums und der Auswahl der Dozenten werden journalistische Qualitätsstandards angewendet.

Ein Qualifizierungsprogramm für Universitätsdozentinnen und -dozenten im Fachbereich Journalismus wird gemeinsam mit dem Verband der kommunikationswissenschaftlichen Studiengänge (Asociación Boliviana de Carreras de Comunicación Social, ABOCCS) entwickelt. Schwerpunkt ist die Vermittlung journalistischer Techniken und didaktischer Werkzeuge, um die Studierenden in reflektierten Praxisphasen anleiten zu können. Lokale Medienhäuser sollen in die Entwicklung des Programms eingebunden sein. Zur Zielgruppe gehören auch die Studierenden der am Programm teilnehmenden Dozentinnen und Dozenten.

Das Programm fördert auch die Weiterbildung für Macherinnen und Macher von Lokalradios in ländlichen Gebieten. Gemeinsam mit dem Centro de Educación y Producción Radiofónica (CEPRA) sollen deutsche und internationale Experten in drei Regionen Boliviens die Reflexion über die Rolle als Medium in der ländlichen Gemeinschaft unterstützen sowie den praktischen Einsatz geeigneter Radioformate vermitteln. Die von den Teilnehmenden erlernten Qualitätskriterien für die Programmarbeit sollen erfahrenere Kollegen an Anfängerinnen und Anfänger bei den Sendern weitergeben.

Bislang wurden zahlreiche fruchtbare Diskussion über Inhalte und Umsetzung der dualen Journalistenausbildung geführt sowie erste zielgruppenspezifische Aus- und Weiterbildungskonzepte entwickelt.

Die staatliche Ausbildungs- und Zertifizierungsstelle Escuela de Gestión Pública Plurinacional (EGPP) soll die Umsetzung der dualen Ausbildung in unterschiedlichen Rahmenbedingungen – städtische und ländliche Regionen, Universitäten – und in verschiedenen Ausbildungspläne zukünftig modellhaft beschreiben. Das Steuerungskomitee tauscht dazu regelmäßig Erfahrungen aus und vereinbart die praktische Zusammenarbeit. 
Informationen

CRS-Schlüssel
11120

Entwicklungspolitische Kennungen

Signifikante Nebenziele:

  • Gleichberechtigung der Geschlechter
  • Demokratische und inklusive Regierungsführung

Zuständige Organisationseinheit
2C00 Lateinamerika, Karibik

Nachfolger-Projekt
2015.2036.0

Auftragsvolumen (aktuelles Projekt)
1.519.463 €

Wird geladen