Ausgangssituation
Das international vereinbarte, langfristige Ziel, die Erderwärmung bis zum Jahr 2100 auf 2 Grad Celsius zu beschränken, ist nur bei deutlicher Steigerung der Energieeffizienz, insbesondere auch im Gebäudesektor, möglich. In China sind Gebäude für über 30% des nationalen Primärenergieverbrauchs verantwortlich, der nach wie vor überwiegend durch fossile Brennstoffe gedeckt wird. Durch die voranschreitende Urbanisierung bei steigendem Lebensstandard wird dieser Anteil weiter zunehmen.
Die chinesische Regierung hat das enorme THG-Einsparpotential des Gebäudesektors, besonders in der nordchinesischen Klimazone, erkannt und möchte deswegen dessen Beitrag zum Klimaschutz ausweiten. Der 12. Fünfjahresplan (2011-2015) fordert die Steigerung von Energieeffizienz in Gebäuden, was im „Green Building Action Plan" von 2012 durch Neubau- und Sanierungsziele konkretisiert wird.
In Chinas Städten und Gemeinden bestehen zur Umsetzung von Energieeffizienz im Gebäudebereich noch große Wissensdefizite. Um die im „Green Building Action Plan" angestrebten Maßnahmen durch-führen zu können, fehlen weitestgehend sowohl die konkreten Informationen zu anwendbaren Lösun-gen als auch die Kapazitäten zur Entwicklung und Umsetzung wirksamer Konzepte in guter Qualität. Oft sind auch benötigte Materialien und Technologien noch nicht bekannt oder zur Marktreife gebracht, und das Verständnis für eine professionelle und fachgerechte Bauausführung ist nur selten vorhanden. So können die enormen Energieeinsparungspotentiale in den Städten bisher nicht effizient ausgeschöpft werden.
Ziel
Ein schneller und breitenwirksamer Transfer modernsten Wissens zu klimafreundlichen Methoden, technischen Konzepten und innovativen Finanzierungsmodellen an Schlüsselakteure in chinesischen Städten und Gemeinden zur Steigerung der Energieeffizienz und THG-Minderungskapazität im Ge-bäudebereich ist gewährleistet. Schlüsselakteure aus Städten und Gemeinden sind befähigt, ange-messene und realisierbare Energieeffizienz- und Klimaschutzmaßnahmen im Gebäudebereich zu identifizieren und eine qualitativ hochwertige, nachhaltige Umsetzung der Maßnahmen einzuleiten.
Vorgehensweise
Der chinesische politische Partner, das Ministry of Housing and Urban-Rural Development (MoHURD) möchte die erkannten Defizite in der Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen im Gebäudebereich ausgleichen. Dazu wird im Rahmen des Projekts deutsches Know-How für Schlüsselakteure zur För-derung von Energieeffizienz- und Klimaschutzmaßnahmen in Gebäuden und Stadtvierteln zur Verfügung gestellt. Entscheidungsträger/-innen in Politik und Verwaltung, sowie mit der Umsetzung von Entscheidungen betraute städtische und private Organisationen und Unternehmen sollen mit modernstem Anwendungswissen vertraut gemacht werden. Dabei werden die Besonderheiten chinesi-scher Städte berücksichtigt.
Zur Vermittlung der deutschen Erfahrungen werden Trainingsmaterialen und –formate gemeinsam mit deutschen Wissensgebern, MoHURD und vier chinesischen Durchführungspartnern entwickelt und durchgeführt.
Die enge Zusammenarbeit mit den vier Durchführungspartnern ermöglicht ferner eine flächendeckende und gezielte Informationsverbreitung an Schlüsselakteure auf verschiedenen Ebe-nen: Akteure auf der Policy- und Entscheidungsebene werden durch die Zusammenarbeit mit der Chi-nese Academy of Governance (CAG) und der National Academy for Mayors of China (NAMC) erreicht. Akteure auf der städtischen Planungsebene werden ebenfalls über die NAMC und darüber hinaus über die Chinese Society for Urban Studies (CSUS) mit relevanten Informationen versorgt. Für das effektive Erreichen der Schlüsselakteure auf der technischen Ebene wird mit dem Science, Technology & Industrialisation Development Center (CSTC) zusammengearbeitet.
Konkret werden die Projektziele durch die folgenden vier Elemente erreicht:
Trainerausbildung
Der Aufbau eines chinesischen Trainerpools ist Kernelement für die Verstetigung des Projekts. Die bereits erfahrenen Trainer aus den Partnerinstitutionen werden mit neuem Wissen ausgestattet und betten das erlernte Know-how in bestehende Verbreitungsstrukturen aus der Routinearbeit in den eigenen Heimatorganisationen ein. Die Festlegung der Inhalte für die Trainerausbildung orientiert sich an den Bedarfen der Durchführungspartner und vor allem an der tatsächlichen Nachfrage der Schlüs-selakteure in den Städten.
Entwicklung von Trainingscurricula und -Materialien
Zusammen mit den auszubildenden Trainern und deutschen Experten werden Trainingsformate und Curricula sowie Ausbildungsmaterialien entwickelt und pilotiert. Die Trainings sollen dann in regelmä-ßige, möglichst katalogisierte Trainingsangebote überführt werden. Hierbei wird auch auf die Entwicklung von wirtschaftlichen Refinanzierungsmechanismen über Teilnahmegebühren und auf wiederhol-bare katalogartige Trainingsangebote geachtet, um die Verstetigung der Informationsverbreitung und die Deckung von Weiterentwicklungskosten zu garantieren.
Fachstudienreisen
Entscheidungsträger, Trainer und andere Schlüsselakteure unternehmen Delegationsreisen nach Deutschland um sich vor Ort mit deutschen Erfahrungen zu klimafreundlicher Stadtentwicklung und Energieeffizienz vertraut zu machen. Dabei werden nicht nur gute Beispiele präsentiert, sondern auch Lernerfahrungen kritisch reflektiert.
Informationen zur Einbeziehung des Gebäudebereichs in den Kohlenstoffhandel
In Absprache mit MoHURD werden Schlüsselakteure in chinesischen Städten über die Entwicklungen hinsichtlich der Einbeziehung des Gebäudesektors in ein chinesisches Kohlenstoffhandelssystem informiert und werden befähigt, ein derartiges Finanzierungsinstrument für die Umsetzung von Maßnahmen in ihrem Verantwortungsbereich zu nutzen.
Wirkung
Im ersten Halbjahr der Projektdurchführung wurden in ausführlichen Diskussionen mit allen Partnern die Trainingsbedarfe in chinesischen Städten festgestellt. Parallel erstellte das Projekt einen Abgleich mit dem Angebot an relevanten deutschen Wissensquellen. Im Anschluss daran wurden entsprechende Trainingsmodule und –formate gemeinsam mit deutschen und chinesischen Wissensgebern entwickelt. Im September 2014 fand eine Serie von Trainingsveranstaltungen statt, um diese Formate und Inhalte auf ihre Anwendbarkeit für die unterschiedlichen chinesischen Zielgruppen zu testen. An diesen Trainings nahmen über 1000 Personen teil. Ebenso wurden zwei Seminare zur Ausbildung von chinesischen Trainern durchgeführt, die später das deutsche Know-How als Multiplikatoren weitervermitteln sollen.
Geplante Aktivitäten
Unter Berücksichtigung des Feedbacks aus den ersten Trainingsveranstaltungen und auf Grundlage der bereits erarbeiteten Trainingsmaterialien werden gemeinsam mit den chinesischen Partnern und Trainern für jedes Curriculum eigene Textbücher, Präsentationen und Leitfäden für zukünftige Trainer erstellt. Auf dieser Basis sollen die Durchführungspartner, im Rahmen ihrer jeweiligen Aktivitäten und unter Nutzung der ausgebildeten Trainer, 2015 entsprechende Trainingsmaßnahmen für Schlüsselak-teure in den chinesischen Städten anbieten. Ende 2014 wird zudem eine Fachinformationsreise mit Vertretern des MoHURD und der Provinzbehörden nach Berlin und München durchgeführt. Der Schwerpunkt liegt auf der effektiven Umsetzung von Energieeffizienz in Städten durch integrierte Stra-tegien. Zur Abbildung des derzeitigen Standes der Integrierbarkeit des Gebäudesektors in den chinesischen Kohlenstoffhandel ist eine Studie in Auftrag gegeben worden.