Ausgangssituation
Weltmeere bedecken rund 71 Prozent unseres Planeten. Für eine nachhaltige Entwicklung ist der Mensch in hohem Maße auf die Meere und marine Ökosystemleistungen angewiesen – etwa für Ernährung, klimaregulierende Funktionen, Energiegewinnung, medizinische Produkte und Tourismus. Je höher die biologische Vielfalt der Meere, desto zuverlässiger stellen sie Ökosystemleistungen bereit.
Der ökologische Zustand der Weltmeere verschlechtert sich jedoch zunehmend. Trotz völkerrechtlicher Abkommen und freiwilliger Verpflichtungen werden Meere über ihre Belastungsgrenzen hinaus ausgebeutet. Die Mehrheit der weltweiten Fischbestände gilt als überfischt (31%) oder bis an ihre ökologische Grenze befischt (58%). Artenreiche Lebensräume wie Mangrovenwälder, Seegraswiesen oder Korallenriffe sind zerstört oder gefährdet.
Die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (VN) greift den Meeresschutz mit dem Nachhaltigkeitsziel (SDG) 14 „Leben unter Wasser" auf. Dieses adressiert unter anderem die Meeresverschmutzung und den Schutz von Meeres- und Küstenökosystemen. Die internationale Staatengemeinschaft verpflichtet sich seit 1992 mit dem Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD) und seinen Umsetzungsinstrumenten dazu, die Biodiversität – einschließlich der Meeres- und Küstenbiodiversität – weltweit zu erhalten. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) bündelt seit 2016 sein spezifisches Engagement für die Meere mit dem 10-Punkte-Aktionsplan Meeresschutz und nachhaltiger Fischerei.
Ziel
Das BMZ gestaltet mit den Beiträgen des Sektorvorhabens Politik- und Umsetzungsprozesse, die dem Meeresschutz dienen, insbesondere im Hinblick auf die Erreichung der Ziele der Agenda 2030, der Biodiversitätskonvention und des 10-Punkte-Aktionsplans des BMZ.
Vorgehensweise
Das Sektorvorhaben arbeitet im Auftrag und in enger Abstimmung mit dem BMZ. Um internationale Prozesse mitzugestalten und das Portfolio der deutschen Entwicklungszusammenarbeit (EZ) weiterzuentwickeln, ist es notwendig, Wissen zu aktualisieren und innovative Ansätze zu erarbeiten, zu erproben und zu verbreiten. Dies erfordert eine kontinuierliche fachliche Begleitung zahlreicher für den Meeresschutz relevanter Themen und die Aufarbeitung sowie Verbreitung der langjährigen Erfahrungen der EZ.
Das Sektorvorhaben unterstützt das BMZ dabei, entwicklungspolitische Positionen zum Meeresschutz in nationale und internationale Politikprozesse einzubringen, zum Beispiel in die Verhandlungen zur Agenda 2030 oder der Biodiversitätskonvention (CBD). Es berät das BMZ zudem bei der Steuerung und Weiterentwicklung seines Portfolios zu Meeresschutz sowie bei der Umsetzung von Initiativen, um thematische Akzente zu setzen. Das Vorhaben knüpft dazu an die Erfahrungen vorhergehender Maßnahmen an. Es arbeitet konzeptionell eng mit dem Sektorvorhaben Biodiversität an Land zusammen und steht im engen Austausch mit anderen EZ-Maßnahmen und -Akteuren. Die entwicklungspolitische Praxis wird gemonitort, um Handlungswissen zu generieren und die Effektivität vorgeschlagener Konzepte und Initiativen zu gewährleisten.
Wirkungen
Mit Hilfe der professionellen Beratungsleistungen des Vorhabens gestaltet das BMZ internationale und nationale entwicklungsorientierte politische Prozesse mit und steuert sein Meeresportfolio bzw. entwickelt es weiter. Die mit Hilfe des Vorhabens erstellten und verbreiteten Strategien, Konzepte und Instrumente finden Eingang in die Umsetzung internationaler Vereinbarungen oder werden entsprechend der Schwerpunkte und politischen Steuerungsentscheidungen des BMZ in EZ-Vorhaben auf Ebene der Partnerländer genutzt.
Derzeit setzt das Vorhaben im Auftrag des BMZ die Initiative „MeerWissen – African-German Partners for Ocean Knowledge" um. Diese fördert afrikanisch-deutsche Wissenschaftskooperationen mit dem Ziel, die Informationsbasis für politische Entscheidungsträger im Sinne einer stärkeren Verankerung von Schutz und nachhaltiger Nutzung mariner Ökosysteme in nationalen Entwicklungsplänen zu verbessern. Durch die Beratungsleistung an das BMZ trägt das Vorhaben indirekt zum Meeresschutz sowie zur nachhaltigen Nutzung von Ökosystemleistungen der Meere und somit zu einer nachhaltigen Entwicklung bei.