2015.2163.2

Sport für Entwicklung

Auftraggeber
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit u. Entwicklung
Land
Dauer
–
Partner
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)

Ausgangssituation

Sport wirkt sozialintegrativ, bewegt und bildet. Wie kaum ein anderer Bereich reicht Sport mit seinen professionellen und ehrenamtlichen Strukturen in alle gesellschaftlichen Sphären hinein, ermöglicht Teilhabe und schafft ein Zusammengehörigkeitsgefühl über ethnische und soziale Grenzen hinweg.

Weltweite Anerkennung erhielt das Thema „Sport für Entwicklung" zum ersten Mal 2001: Die Vereinten Nationen (VN) ernannten den ersten Sonderbeauftragten für „Sport für Entwicklung und Frieden". Zwei Jahre später folgte die Anerkennung von „Sport als Mittel der Förderung von Bildung, Gesundheit, Entwicklung und Frieden" (VN-Resolution 58/5). Um ein öffentliches Bewusstsein für die Bedeutung von Sport zu schaffen, erklärten 2013 die VN den 6. April zum Internationalen Tag des Sports für Entwicklung und Frieden. Auch die Agenda 2030 bekräftigt den Beitrag, den Sport zur Umsetzung der Ziele für nachhaltige Entwicklung leisten kann, zum Beispiel durch die nachhaltige Nutzung von Ressourcen oder die Inklusion von Menschen mit Behinderung.

Sachkundig eingesetzt, kann sich Sport vor allem bei der Förderung von Kindern und Jugendlichen positiv auswirken. Sie lernen faires und tolerantes Verhalten kennen, stärken ihr Selbstwertgefühl und entwickeln die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Sport vermittelt außerdem sogenannte Life Skills – Fähigkeiten, die dabei helfen, schwierige Lebenssituationen zu meistern und Perspektiven für die eigene Zukunft zu entwickeln. Dieses Potenzial hat die deutsche Bundesregierung erkannt und setzt auf „Sport für Entwicklung" als Querschnittsthema der deutschen Entwicklungszusammenarbeit (EZ) mit Bezügen zu anderen entwicklungspolitischen Zielen, unter anderem Bildung, Gesundheitsförderung, Gewaltprävention, Konfliktbearbeitung, berufliche Bildung, Gleichstellung der Geschlechter, Organisationsentwicklung, Inklusion oder die Integration von Flüchtlingen.

Ziel

Sport wird in der Entwicklungszusammenarbeit verstärkt als Instrument für Mobilisierung, Sensibilisierung und Integration eingesetzt und gilt als innovatives Thema, das Impulse für Veränderungen und nachhaltige Entwicklung gibt – sowohl individuell als auch gesellschaftlich.

Vorgehensweise

Sport wird in der deutschen EZ seit vielen Jahren als Instrument zur Mobilisierung, Sensibilisierung und Integration genutzt. Ziel ist es, Sport als Mittel der EZ langfristig und strukturell zu verankern. Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) setzt die GIZ das Vorhaben „Sport für Entwicklungsmaßnahmen" um.

Schwerpunkte sind inhaltliche und strategische Politikberatung, Weiterentwicklung des deutschen Beitrags zu „Sport für Entwicklung" mit langfristiger nationaler und internationaler Positionierung, wissenschaftliche Begleitung sowie Monitoring und Evaluation, um Erfahrungen aufzuarbeiten und Wirksamkeit zu messen. In ausgewählten Partnerländern, derzeit Afghanistan, Brasilien, Indonesien, Kolumbien, Marokko, Namibia, die Palästinensischen Gebiete, Uganda und Westbalkan (Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Nordmazedonien, Serbien) werden Maßnahmen umgesetzt.

In den Partnerländern entwickelt die GIZ gemeinsam mit Partnern aus dem organisierten Sport, wie dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), dem Deutschen Fußball-Bund e.V. (DFB) und lokalen Partnerorganisationen, partizipative Methoden sowie Lehr- und Lernmittel zum Einsatz von Sport für entwicklungspolitische Ziele, beispielsweise das Handbuch „Kicking Youth Competencies" zur Förderung von Kompetenzen Jugendlicher durch Sport in den Palästinensischen Gebieten. Multiplikatoren und Lehrpersonal werden zielgerichtet ausgebildet, zum Beispiel Sportlehrerinnen an Mädchenschulen in Afghanistan.

Über den Sport können neue Partner für die deutsche EZ gewonnen werden. Die GIZ arbeitet mit Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen zusammen, mit Akteuren aus Sport, Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft sowie mit internationalen Organisationen, die Sport bereits erfolgreich zur Entwicklungsförderung von Jugendlichen einsetzen.

Wirkungen

Afghanistan und Namibia: Die Stärkung von Mädchen und jungen Frauen steht in den Vorhaben im Vordergrund. In Kooperation mit dem afghanischen Bildungsministerium wurde ein spezielles Schulcurriculum entwickelt. In Namibia wurden 520 Trainerinnen und Trainer ausgebildet und somit 13.600 Kinder und Jugendliche erreicht. Zudem wurden Entwicklungsmöglichkeiten für Mädchen und junge Frauen durch den Bau eines Mädchenzentrums auf dem Gelände des Namibischen Fußballverbandes (NFA) in Windhuk geschaffen. Das Zentrum wird als geschützter Raum zum Sporttreiben und Lernen genutzt. Weiterbildungsangebote zu Tourismus, mit Partnern aus der Wirtschaft, ergänzen das Portfolio. Sportangebote wie Fußball und Basketball werden unter anderem zur gesundheitlichen Aufklärung und HIV-Prävention genutzt und mit einem Life-Skills-Training verbunden.

Kolumbien und Brasilien: Gewaltprävention, friedliche Konfliktlösung und die Reintegration von Binnenflüchtlingen stehen in Kolumbien im Fokus. Mit einem speziell entwickelten Handbuch wird gesellschaftliche Aussöhnung durch Sport unterstützt. In Kolumbien wurden bislang über 1.500 Trainerinnen und Trainer ausgebildet, 124 Frauen und Männer wurden für die Ausbildung von Trainern qualifiziert. Rund 89.000 Kinder und Jugendliche wurden dadurch erreicht. Auch in Brasilien werden Gewaltprävention und Jugendförderung verfolgt, vor allem in Brennpunktschulen und benachteiligten Wohngebieten, wo bislang rund 118.500 Kinder und Jugendliche von den Maßnahmen profitiert haben.

Indonesien. Das Curriculum der indonesischen Fußball-D-Lizenz wurde um „Sport für Entwicklung"-Aspekte erweitert, sodass Kinder und Jugendliche im Kontext des Fußballtrainings für Themen wie Alltagskompetenzen, Gesundheit oder Konfliktprävention sensibilisiert werden können. 2018 hat das Vorhaben in zwei Provinzen 29 Instruktorinnen und Instruktoren, 380 Lehrkräfte und 155 Trainerinnen und Trainer ausgebildet.

Marokko: Das Vorhaben hat 2018 Pilot-Kommunen dabei unterstützt, das Spektrum inklusiver Dienstleistungsangebote um Sportaktivitäten zu erweitern. Das Angebot spricht vor allem Migranten und Migrantinnen, Rückkehrende und Flüchtlinge an.

Palästinensische Gebiete: Sport wird zur Förderung von Berufsbildung und Arbeitsmarktbefähigung eingesetzt. Er soll dazu beitragen, berufliche Bildung attraktiver zu gestalten, und damit gleichzeitig weitere Programme und Trainingseinheiten der deutschen EZ zur beruflichen Bildung unterstützen. Sachkundig eingesetzt kann Sport ein Instrument sein, um persönliche und soziale Fähigkeiten, sogenannte Soft Skills, wie Teamwork, Kommunikation und Entscheidungsfähigkeit zu schulen – grundlegende Werte für die berufliche Entwicklung. In verschiedenen Summer Schools konnten bislang 7.840 Jugendliche erreicht werden.

Uganda: Über Leichtathletik werden benachteiligte Kinder und junge Menschen in ihrer persönlichen Entwicklung gefördert und der Dialog in den Gemeinden gestärkt. Dazu wurde 2018 ein Training & Resources Network ins Leben gerufen, das aus 24 ugandischen oder in Uganda akkreditierten Organisationen besteht.

Westbalkan: 2018 wurden in Nord-Mazedonien, Albanien, Kosovo, Serbien und Bosnien und Herzegowina lokale Sport for Social Inclusion Networks gegründet, die in Gemeinden „Sport für Entwicklung"-Aktivitäten anbieten, um die Integration marginalisierter Gruppen zu fördern. Es wurden bisher 24 Instruktorinnen und Instruktoren sowie 96 Trainerinnen und Trainer ausgebildet.

Britta Heidemann, erfolgreiche deutsche Fechterin, unterstützt als Botschafterin „Sport für Entwicklung" die entwicklungspolitischen Anliegen des BMZ und des DOSB. Sie nutzt ihre Bekanntheit, um die Öffentlichkeit und die Welt des Sports für dieses Thema und für nachhaltige Entwicklung zu sensibilisieren. Bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro hat Britta Heidemann beispielsweise Sportprojekte der deutschen EZ besucht und darüber in den Medien berichtet. Sie hat am Zukunftskongress des BMZ 2016 teilgenommen, um als Podiumsteilnehmerin für das Thema zu sensibilisieren.

Weitere Botschafter sind die vielfachen Fußball-Nationalspieler und WM-Teilnehmer Nia Künzer und Gerald Asamoah. Als starke Persönlichkeiten mit einem großen sozialen Engagement wirken Künzer und Asamoah als sichtbare und meinungsstarke gesellschaftliche Vorbilder. 
Informationen

CRS-Schlüssel
11110

Entwicklungspolitische Kennungen

Signifikante Nebenziele:

  • Gleichberechtigung der Geschlechter
  • Demokratische und inklusive Regierungsführung

Zuständige Organisationseinheit
G120 Nachhaltige Wirtschentw, Digitalisierung

Vorgänger-Projekt
2012.2504.4

Nachfolger-Projekt
2019.2005.7

Auftragsvolumen (aktuelles Projekt)
15.720.078 €

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