Ausgangssituation
Nur wenige Länder sind so durch die negativen Auswirkungen des Klimawandels gefährdet wie Vietnam. Die Umweltorganisation DARA schätzt, dass das Land aufgrund des Klimawandels wirtschaftliche Verluste in Höhe von 15 Milliarden US-Dollar jährlich erleidet (Climate Vulnerability Monitor 2012, DARA). Das entspricht etwa fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP).
Vietnam gilt als „Hotspot" biologischer Vielfalt. Ein großer Teil seiner Flora und Fauna kommt ausschließlich hier vor. Diese Vielfalt wird durch den Klimawandel und seine Folgen bedroht. Gleichzeitig hat sich gezeigt, dass die Erhaltung stabiler, funktionsfähiger Ökosysteme einen Beitrag zur Klimaanpassung darstellt, wenn die Resilienz (Widerstandskraft) dieser Systeme und der dort lebenden Menschen gestärkt wird. Hauptauslöser des Verlusts von Artenvielfalt sind derzeit Landnutzungsänderungen – eine Folge des anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwungs und des Bevölkerungswachstums.
Neben der Stärkung der Widerstandskraft der Menschen gegen Klimarisiken gelten ökosystembasierte Maßnahmen als gute Alternative – oder Ergänzung – zu technischen Maßnahmen, da sie einen großen sekundären Nutzen haben, darunter: Ernährungssicherheit, Erhalt von Existenzgrundlagen und Biodiversität und verbesserter Schutz vor Naturkatastrophen. So sind die Regeneration und der Erhalt von Mangrovenwäldern natürliche, kostengünstige Küstenschutzmaßnahmen, die örtliche Verwaltungen gut in die Praxis umsetzen können.
In Bezug auf Klimaschutz, Anpassung an den Klimawandel und die Erhaltung und nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt hat sich die vietnamesische Regierung klare Ziele gesteckt. Das kommt in einer Reihe von Gesetzen und Erlassen, der Ratifizierung internationaler Abkommen und der Beteiligung an internationalen Initiativen zum Ausdruck. Allerdings bieten Politik und Gesellschaft zu wenig Ansatzpunkte für eine umfassende Verankerung ökosystembasierter Lösungen. Überdies fehlt es an leistungsfähigen Instrumenten und Verfahren zur Umsetzung solcher Ansätze und zum Monitoring ökosystemarer Beiträge zur Klimaanpassung.
Ziel
Landnutzungs- und Entwicklungsplanern stehen neue, effektive Methoden, Strategien und politische Leitlinien für eine ökosystembasierte Anpassung zur Verfügung. Sie sind systematisch in die nationale Anpassungspolitik integriert worden und werden schrittweise in die Praxis umgesetzt.
Vorgehensweise
Das Vorhaben soll Vietnam bei seinen Bemühungen unterstützen, ökosystembasierte Lösungen systematisch in Politik und Gesellschaft zu verankern. Es soll, auf nationaler und Provinzebene, die Fähigkeit von Akteuren stärken, ökosystembasierte Maßnahmen in Entscheidungs- und Planungsprozessen nationaler Klimaanpassungspolitik zu verankern, und ihre nachhaltige Umsetzung vor Ort gewährleisten.
Zudem unterstützt das Vorhaben seine vietnamesischen Partner technisch darin, die Finanzierung ökosystembasierter Anpassungskonzepte mit nationalen und internationalen Mitteln sicherzustellen, und fördert den Austausch relevanter Erfahrungen in regionalen und internationalen Dialogforen.
Das Vorhaben ist in vier Hauptbereichen aktiv:
1.Bewusstseinsbildung und Kompetenzaufbau aufseiten der Akteure auf nationaler und Provinzebene: Die Akteure sollen die Vorteile einer ökosystembasierten Anpassung erkennen und die Fähigkeit erlangen, entsprechende Verfahren zu integrieren und umzusetzen.
2.Ausweitung: Das Vorhaben erarbeitet eine solide Grundlage für die weitergehende Umsetzung ökosystembasierter Anpassungsmaßnahmen. Damit knüpft es an eine Auswertung der vorhandenen Erfahrungen und eine Pilotmaßnahme an, die die Entwicklung technischer Instrumente, Leitfäden, Handbücher und Monitoringkonzepte zum Ziel hat.
3.Integration ökosystembasierter Anpassung in die nationale Klimaanpassungspolitik und in den maßgeblichen Rechtsrahmen (Schwerpunkt: Landnutzungs- und Entwicklungsplanung) und Identifizierung nationaler und internationaler Finanzierungsquellen
4.Auswertung der in speziellen Interventionen und Pilotmaßnahmen gewonnenen Erfahrungen; Unterstützung der Partner und Akteure beim Austausch der Erkenntnisse aus den Aktivitäten über nationale und internationale Netzwerke und Plattformen
Mit der Einführung ökosystembasierter Landnutzungsmethoden (Erhaltung, Schutz, Renaturierung, nachhaltige Nutzung) wird das Vorhaben voraussichtlich einen mittel- bis langfristigen Beitrag zur Einhaltung der CO2-Reduktionsverpflichtungen Vietnams leisten. Obendrein wird es effektive Verfahren, Strategien und politische Leitlinien entwickeln, die den praktischen Nutzen einer ökosystembasierten Anpassung erhöhen. Hierzu zählen ein erweiterter Rechtsrahmen für die Integration in nationale Planungsmaßnahmen sowie verbesserte Methoden zur Identifizierung vorgelagerter Klimarisiken und -anfälligkeiten. Zusammen mit einer Reihe lokaler Pilotmaßnahmen in zwei Provinzen wird hieraus ein direkter Beitrag zur Anpassung in Vietnam resultieren.
Darüber hinaus veranstaltet das Vorhaben Grund- und Aufbauschulungen, in denen die zusätzlichen, für eine ökosystembasierte Anpassung erforderlichen Kompetenzen entwickelt werden. Dazu arbeitet es mit lokalen Bildungseinrichtungen zusammen, um die entsprechenden Lehrpläne zu formulieren und weitere Ausbilder zu qualifizieren.