Ausgangssituation
Die Afrikanische Friedens- und Sicherheitsarchitektur (African Peace and Security Architecture, APSA) umfasst die zentralen Instrumente für Konfliktprävention, Konfliktbearbeitung und Friedensförderung der Afrikanischen Union (AU).
Ein wesentliches Ziel der APSA ist die Einrichtung einer multidimensionalen Eingreiftruppe für Friedensmissionen in Konfliktgebieten (African Standby Force, ASF). Daran beteiligen sich fünf regionale Wirtschaftsgemeinschaften, welche jeweils eine regionale Eingreiftruppe zur ASF bereitstellen. In Westafrika ist die Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten (ECOWAS) für die Entwicklung der ECOWAS Standby Force (ESF) verantwortlich. Die APSA fordert hochqualifizierte Zivil-, Polizei- und Militärfachkräfte. Jede Einsatzkraft muss ausgeprägte Kompetenzen im Bereich Frieden und Sicherheit nachweisen, insbesondere in Konfliktprävention, Konfliktmanagement und beim Wiederaufbau nach Konflikten.
Drei Trainingseinrichtungen hat die ECOWAS in Westafrika als Kompetenzzentren anerkannt, an denen die Einsatzkräfte entsprechend ausgebildet werden. Eines davon ist das Kofi Annan International Peacekeeping Training Centre (KAIPTC) in Ghana.
Das Zentrum verfolgt einen integrierten Ansatz und bereitet ziviles Personal, Polizei und Militär auf die Teilnahme an multidimensionalen friedensunterstützenden Operationen sowie auf die Themen Konfliktmanagement und Friedens- und Sicherheitsstudien vor. Es trägt damit entscheidend zum Ausbau regionaler Kapazitäten zur Friedenssicherung bei.
Seit 2006 wird das KAIPTC, von der Bundesrepublik Deutschland, mit einem GIZ-Projekt direkt vor Ort unterstützt. Seitdem hat das KAIPTC sein Trainingsangebot weiterentwickelt, seine strategischen Kooperationen mit regionalen und kontinentalen Partnern (z.B. ECOWAS) ausgebaut und seine Organisationsstrukturen und -prozesse verbessert.
Dennoch bestehen weiterhin institutionelle und finanzielle Herausforderungen zur langfristigen Existenzsicherung der Institution. Die KAIPTC muss sein derzeitiges Geschäftsmodell von einem stark angebotsgesteuerten zu einem bedarfsorientierten Konzept ändern und dabei die Nachfrage ihrer wichtigsten Stakeholder besser bedienen. Daher muss das Zentrum schneller auf ein sich ständig veränderndes Friedens- und Sicherheitsumfeld auf dem Kontinent reagieren und seine Ausbildungs- und Forschungsprogramme entsprechend anpassen. Darüber hinaus ist eine Diversifizierung der Einkommensquellen dringend erforderlich. Einnahmen sollten nicht nur durch die Unterstützung etablierter Entwicklungspartner erzielt werden.
Ziel
Die Voraussetzungen für das nachhaltige Bestehen des Kofi Annan International Peacekeeping Training Centre (KAIPTC) sind verbessert.
Vorgehensweise
Das Vorhaben verfolgt einen mehrebenen Ansatz und kombiniert Organisationsentwicklung, Personalentwicklung, strategische Beratung und finanzielle Unterstützung. Die neue Programmphase ist zeitlich mit dem neuen KAIPTC-Strategieplan 2019-2023 abgestimmt. Die folgenden Schwerpunktthemen werden anvisiert:
• Beratung bei der (bedarfsorientierten) Entwicklung und Planung, Durchführung und Bewertung von Trainingsdienstleistungen, einschließlich Trainingsbedarfsanalysen, Förderung der Beteiligung von Frauen an Trainingsmaßnahmen für Friedensmissionen, Einführung innovativer Instrumente zur Durchführung von Trainingskursen.
• Unterstützung des KAIPTC-Managements bei der Zusammenarbeit mit Partnern und Stakeholdern. Dazu gehören Organisationsentwicklung, strategische Öffentlichkeitsarbeit, Personalentwicklung bzw. die Formalisierung und Erweiterung der Beratungs- und Koordinierungsleistungen.
• Umsetzung einer Finanzierungs- und Akquisitionsstrategie durch die Entwicklung einer Strategie zur Mobilisierung von Ressourcen und die Verbesserung von Kapazitäten zur Erbringung von Dienstleistungen auf der Grundlage einer soliden Finanzplanung.
Wirkung
Mit Unterstützung der GIZ konnte das KAIPTC seine strategischen Beziehungen mit relevanten Partnern und Dachverbänden sowie den Entsendeorganisationen (VN, AU und ECOWAS) ausbauen und sich somit als die führende Friedenssicherungsinstitution im Rahmen der APSA positionieren. Im Rahmen seines mehrdimensionalen Ansatzes hat das KAIPTC Tausende von Expert*innen ausgebildet und entscheidende Voraussetzungen für Friedensoperationen geschaffen. Mit deutscher Unterstützung hat das KAIPTC einen neuen zivilen Trainingskurs entwickelt, der traditionelle Friedenssicherung mit Entwicklungsansätzen (z.B. Menschenrechte, ziviler Grundkurs) verknüpft.
Eine durchgeführte Trainingsbedarfsanalyse der ECOWAS und AU ermöglicht es dem KAIPTC, sein Trainingsportfolio an die Ausbildungsbedarfe jener Entsendeorganisationen anzupassen und neue Trainingsmodule zu entwickeln.
Das im September 2019 erstmalig ausgerichtete Kofi Annan Peace and Security Forum hat dem KAIPTC die Möglichkeit geboten, sich gegenüber etablierten und potenziellen Partnern als eines der führenden Aus- und Fortbildungszentren auf dem Kontinent zu präsentieren und gemeinsam mit politischen Entscheidungsträger*innen, Expert*innen und Wissenschaftler*innen die effektive und nachhaltige Gestaltung von Friedensmissionen im Kontext von gewalttätigem Extremismus zu diskutieren.
Das KAIPTC hat ein Netzwerk- und Trainingsprogramm für weibliche Führungskräfte im Bereich Frieden und Sicherheit initiiert. Im Rahmen des Programms können sich Teilnehmerinnen austauschen und Weiterbildungsangeboten zur Stärkung ihrer Führungskompetenzen warhnehmen.
Eine neu eingerichtete Geschäftsentwicklungsabteilung (Business Development Unit) hat die Einkommensgenerierung und Diversifizierung am Zentrum verbessert. Der Aufbau eines Sprachenzentrums am KAIPTC wird ebenfalls zur Stärkung der finanziellen Nachhaltigkeit beitragen, indem Kosten für extern bestellte Dolmetscherleistungen zukünftig eingespart werden.
Mit dem neuen Learning Management System werden die zentralen Betriebsabläufe im KAIPTC (z.B. Kursmanagement, Monitoring und Evaluation oder Alumni-Netzwerk) digitalisiert.