2015.1802.6

Unterstützung rückkehrender Binnenvertriebener und aufnehmender Gemeinden bei Ernährungssicherung und Wiederaufbau

Auftraggeber
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit u. Entwicklung
Land
Dauer
–
Partner
Unidad de Atención y Reparación Integral de Víctimas

Ausgangssituation

Gemäß dem UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR sind seit Mitte der 80er Jahre rund 5,7 Millionen Menschen in Kolumbien von ihren angestammten Wohnorten gewaltsam vertrieben worden und gelten als Binnenvertriebene. Ursachen sind der jahrzehntelange bewaffnete Konflikt zwischen Staat und verschiedenen illegitimen bewaffneten Gruppierungen sowie Drogenproduktion und -schmuggel. Überdurchschnittlich stark betroffen ist die bäuerliche, indigene und afrokolumbianische Bevölkerung, die in den häufig entlegenen Konfliktregionen wohnt. Die Gesetzgebung ermöglicht seit 2011 die kollektive Rückführung oder Umsiedlung und Entschädigung von Binnenvertriebenen. Die lokalen Behörden sind in vielen Fällen jedoch überfordert, vereinbarte Maßnahmen für Entschädigung und kollektive Umsiedlung umzusetzen. Die umgesiedelten Binnenvertriebenen werden an ihren neuen Wohnorten häufig von den alteingesessenen Einwohnern diskriminiert. Sowohl die Neuankömmlinge als auch die alteingesessene Bevölkerung haben kaum Aussicht, eine Arbeit zu finden und damit ein neues Leben aufzubauen. Die mangelhafte Versorgung mit staatlichen Dienstleistungen und die weiten Entfernungen zu den Städten erschweren beiden Gruppen eine ausreichende soziale und wirtschaftliche Entwicklung.

Ziel

Die sozialen und produktiven Lebensgrundlagen von rückkehrenden Binnenvertriebenen und aufnehmenden Gemeinden in den ausgewählten Regionen sind verbessert.

Vorgehensweise

Das Vorhaben arbeitet in den Departments Córdoba und Guaviare/ Meta. Es fördert die Kompetenzen staatlicher Akteure wie Provinz- und Gemeindeverwaltungen und der Opferbehörde UARIV ebenso wie die von Nichtregierungsorganisationen. Dabei stehen die Bedürfnisse der Binnenvertriebenen und die Verbesserung ihrer Lebenssituation im Mittelpunkt. Das Vorhaben unterstützt die Partner beim Aufbau von Kompetenzen zur Einbeziehung der Bevölkerung und zur erfolgreichen Bewerbung um knappe staatliche Fördermittel, bei der Integration des Themas in Entwicklungspläne sowie bei der Errichtung von Infrastruktur.

Das Programm unterstützt Maßnahmen zur Verbesserung von Ernährung und Einkommen der Binnenvertriebenen sowie zu ihrer wirtschaftlichen Selbstständigkeit und ihrer Selbstorganisation. Damit ihre Integration in die aufnehmenden Gemeinden konfliktfrei verläuft, bietet das Programm Fortbildungen zu gewaltfreiem Umgang bei Konflikten an und Aktivitäten, die den sozialen Zusammenhalt stärken.

In der Region Guaviare unterstützt das Programm die indigenen, bis vor kurzem noch nomadisch lebenden Völker Jiw, Nukak und Sikuani. Sie wurden durch die linke Guerilla, illegalen Bergbau, den Drogenanbau und -schmuggel und die damit verbundene Gewalt aus ihren angestammten Gebieten vertrieben. In den ihnen zugewiesenen Ländereien können sie ihren traditionellen Lebensweisen nicht mehr nachgehen und leben in extremer Misere. Ihre Existenz als Volksgemeinschaft ist bedroht. Das Vorhaben unterstützt sie bei der Verbesserung ihrer Wohnsituation, beim Zugang zu Bildung für Kinder und Jugendliche sowie bei ihren traditionellen Lebensgrundlagen Jagd, Fischerei und Landwirtschaft. Es arbeitet dabei mit Experten zusammen, die die Volksgemeinschaften seit langem kennen und denen sie vertrauen.

Wirkungen

Das Projekt hat sich einen Ruf als für die Bedürfnisse der kolumbianischen Institutionen offener, zuverlässiger und hilfsbereiter Partner bei der Umsetzung ihrer Aufgaben erworben. Beispielsweise wurde die UARIV in zehn Gemeinden unterstützt, die staatlichen Hilfsangebote bei Institutionen und Opferverbänden bekannt zu machen. Das hat dazu geführt, dass Córdoba, ein relativ wenig entwickeltes Departement, völlig unerwartet die nationale Statistik an Anträgen zur Opferentschädigung anführt.

Die sichtbaren Ergebnisse führten auch zu einer hohen Wertschätzung durch die kleinbäuerlichen Familien in Córdoba und die indigenen Gruppen in Guaviare und Meta.

Die Lebensbedingungen der zurückgekehrten und/oder umgesiedelten Vertriebenen haben sich in den Dörfern der Kleinbauern und Siedlungen der Jiw und Nukak deutlich verbessert. Trinkwasser in Córdoba, akzeptable Wohnbedingungen in Guaviare/Meta und Hilfe zur Selbstversorgung mit Lebensmitteln sind dafür die ersten konkreten Maßnahmen seit langer Zeit. Die Organisation von Gruppen zur Durchführung von kleinen Projekten im Bereich Land- und Viehwirtschaft, aber auch im Kleingewerbe, fördert das Selbstbewußtsein und die Hoffnung auf weitere Verbesserungen in naher Zukunft. Die Unterstützung von 130 Jugendlichen zur Planung einer wirtschaftlichen Aktivität und Unabhängigkeit bedeutet für viele neue Hoffnung in einer ihrer Ansicht nach aussichtslosen Zukunft und bewahrt sie vor dem Eintritt in eine der kriminellen Banden, die sich aus den Paramilitärs entwickelt haben und das Departement Córdoba weitgehend beherrschen. Die Diskussionen mit den Dorfgemeinschaften zu ihren Prioritäten und zur Vorbereitung gemeinsamer Aktivitäten fördern die friedliche Auseinandersetzung mit demokratischen Methoden. Die Jugendarbeit an den Schulen nach der Methode „Fußball mit Prinzipien" hat nach Aussagen der Lehrer zu einem friedlicheren, harmonischerem Zusammenleben nicht nur in den Schulen sondern auch in den Familien geführt.

Durch Teilnahme an Projektaktivitäten und Fortbildungen erwerben die kolumbianischen Institutionen und ihre Angestellten Erfahrungen und Kenntnisse, die sie in Zukunft bei anderen Rück- oder Umsiedlungen nutzen können.

 
Informationen

CRS-Schlüssel
73010

Entwicklungspolitische Kennungen

Signifikante Nebenziele:

  • Desertifikationsbekämpfung
  • Gleichberechtigung der Geschlechter
  • Anpassung an den Klimawandel

Zuständige Organisationseinheit
2C00 Lateinamerika, Karibik

Auftragsvolumen (aktuelles Projekt)
5.222.579 €

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