Ausganglage:
Natur ist die Lebensgrundlage des Menschen. Leistungen der Natur, z.B. sauberes Wasser, fruchtbare Böden, Bestäubung von Nutzpflanzen oder der Schutz von Ufern, Küsten und Hängen sind essentiell für unser Wohlergehen und die Produktion von Nahrungsmitteln und Gütern. Die Grundlage für viele Ökosystemleistungen ist dabei die biologische Vielfalt – also die Vielfalt an Tier– und Pflanzenarten, an genetischer Variabilität und an gesunden Ökosystemen, mit Ihren Strukturen, Prozessen und Elementen. Diese Leistungen wiederherzustellen oder zu ersetzen ist meist sehr teuer oder gar unmöglich.
Trotz der vielfältigen Beziehungen und Abhängigkeiten des Menschen von Natur geht die Biodiversität und somit die Grundlage der Bereitstellung von Ökosystemleistungen weltweit zurück. Diese Entwicklung ist u.a. zurückzuführen auf einen Verlust von natürlichen Lebensräumen durch Landnutzungsänderungen, Übernutzung natürlicher Ressourcen und Umweltverschmutzung. Oft werden die Bedeutung und der Wert der biologischen Vielfalt und der Ökosystemleistungen nicht wahrgenommen und somit in Politik und Gesellschaft nicht ausreichend berücksichtigt.
Die systematische Berücksichtigung von Ökosystemen und biologischer Vielfalt quer durch Politik und Gesellschaft (Mainstreaming), leistet einen Beitrag dazu, die Ursachen des Biodiversitätsverlusts umzukehren. Das Konzept der Ökosystemleistungen ist hierbei besonders geeignet, um die Relevanz des Wertes und Nutzens von Natur darzustellen, da es sowohl die Abhängigkeiten der Menschen von Ökosystemen, als auch die Auswirkungen menschlichen Handelns auf die Umwelt erfasst und veranschaulicht. Diese Erkenntnisse können dazu beitragen, umweltfreundlichere politische Maßnahmen und Strukturen zu entwickeln, die dem Biodiversitätsverlust entgegen wirken. Unter anderem zu diesem Zweck haben die Mitgliedsstaaten des Internationalen Abkommens für Biologische Vielfalt (CBD) 2010 den „Strategischen Plan für Biodiversität 2011-2020" verabschiedet. Die dort formulierten 20 sogenannten Aichi-Ziele fordern unter anderem, den Wert und den Nutzen von biologischer Vielfalt politisch intensiver zu berücksichtigen (Ziel 2) und entsprechende Expertise zu fördern (Ziel 19).
Um Ökosystemleistungen zu identifizieren, zu messen, zu bewerten und darzustellen und sie in Politiken und Maßnahmen zu integrieren, gibt es eine Vielzahl von Methoden und Instrumenten. Informationen zu diesen Methoden und Instrumenten sind schwer zugänglich und der Wissensaustausch ist begrenzt. Es fehlt bislang an Orientierung um aus dem Spektrum monetärer, quantitativer und qualitativer Methoden für einen konkreten Fall eine geeignete Methode auswählen zu können. Dazu werden die meisten Ökosystemleistungsanalysen öfter nicht in Entscheidungen Betracht gezogen.
Ziel:
Das Vorhaben befähigt interessierte Personen unter anderem in umweltrelevanten Ministerien und Organisationen, Ökosystemleistungsanalysen besser zu planen und durchzuführen, sowie deren Ergebnisse zielgruppengerecht zu kommunizieren und in politische Entscheidungsprozesse einzubinden.
Vorgehensweise:
ValuES arbeitet hierbei in sechs Kernbereichen.
1) Analyse und Aufbereitung bestehender Erfahrungen:
Zuerst wurden vorhandene Analysen von Ökosystemleistungen inklusive ihrer Verwendung in Entscheidungs- und Planungsprozessen in Hinblick auf ihre Verwendbarkeit zur politischen Entscheidungsfindung und Ausgestaltung von Instrumenten (wie z.B. Zahlungen für Ökosystemleistungen, Biodiversity Offsets, ökologische Steuerreform, Gebühren und Abgaben, o.ä.) untersucht. Lernerfahrungen werden abgeleitet und gute Praxisbeispiele aufbereitet. Die Erkenntnisse nutzt das Projekt für die Ausrichtung und Konzeption der Produkte und Aktivitäten, zum Beispiel bei der Entwicklung eines Methodeninventars.
2) Entwicklung eines Methodeninventars:
Im Methodeninventar wird die Fülle existierender Methoden und Instrumente für die Analyse und Integration von Ökosystemleistungen über die Webseite des Vorhabens zugänglich und nutzbar gemacht. Das Inventar gibt Entscheidungsträgern und Fachkräften Orientierung bei dem Zugang, der Auswahl und der Anwendung von geeigneten Indikatoren, Methoden und Instrumenten zur Analyse und Integration von Ökosystemleistungen für einen bestimmten Entscheidungsprozess.
3) Aufbau und Stärkung von Kapazitäten:
Die Erstellung des Methodeninventars und die Erkenntnisse der Anwendungserfahrungen sind die Basis für die Erstellung von Trainings im Rahmen des dritten Arbeitspakets. Methodenkompetenz und Anwendungsmöglichkeiten werden über Trainings vermittelt. Praxisorientiertes Wissen im Bereich Analyse, Indikatoren, Instrumente und Integration von Ökosystemleistungen sind Kernbestandteile der Trainings. Einher geht die Verankerung der Trainings in Institutionen der Partnerländer, so dass diese später als Multiplikatoren agieren können.
4) Beratung von Partnerländern: Anwendung von Methoden und Instrumente:
In konkreten Prozessen in Partnerländern werden verschiedene Akteure zur Methoden- und Prozessgestaltung beraten, um Ökosystemleistungen in Politik und Maßnahmenzu integrieren.. Ziel ist es zusätzliche Argumente für die Politikberatung aufgrund von zielgerichteten Ökosystemleistungsanalysen zu erheben und einzubringen. Dadurch kann die Qualität der Politiken und Maßnahmen verbessert werden.
5) Stärkung von Vernetzung und Austausch in regionalen, nationalen und internationalen Foren:
ValuES bringt eigene Erfahrungen in bestehende fachliche, internationale Netzwerke ein und unterstützt den Aufbau von Anwendergemeinschaften auf nationaler, regionaler und internationaler Ebene, um einen Süd-Süd- und Nord-Süd-Erfahrungsaustausch, sowie ein aktiveres Lernen zu fördern. Im Rahmen jährlicher Veranstaltungen wird kollegiale Beratung mit dem Ziel angeboten, verschiedene Ideen zu realisieren, sie weiterzuentwicklen und Herausforderung zu überwinden. Das Projekt trägt auch zur internationalen Debatte bei, und kann durch die praktischen Umsetzungen und Lernerfahrungen zur Implementierung des Strategischen Plans der CBD beisteuern.
6) Stärkung von IPBES Strukturen und Prozess:
Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der „Intergovernmental Platform on Biodiversity and Ecosystem Services" (IPBES). Um das Wissen und die Handlungsfähigkeit zu Ansätzen, Methoden und Prozessen von IPBES in ausgewählten ValuES Partnerländern und auf internationaler Ebene zu verbessern, werden IPBES Strukturen (z.B. Technical Support Units) und Prozesse (z.B. öffentliche Konsultationsprozesse) durch punktuelle Beratung, Verbreitung von Information, logistische und finanzielle Unterstützung, Organisation und Durchführung von Veranstaltungen gestärkt. Gleichzeitig werden Erfahrungen aus Länderprozessen in IPBES eingebracht, um die Wirksamkeit dieses internationalen Prozesses zu erhöhen.
Wirkungen:
Relevante Akteure wurden befähigt, für ihre jeweilige Situation und Rahmenbedingungen angemessene und passende biophysische, soziale und/oder ökonomische Methoden zur Erfassung und Bewertung von Ökosystemleistungen auszuwählen und anzuwenden. Ergebnisse der Analyse konnten dann kontextspezifisch und zielgruppengerecht kommuniziert und in die jeweiligen politischen Entscheidungsprozesse eingebracht werden.
Durch die Entwicklung und Stärkung der Kapazitäten von Partnerinstitutionen, die gleichzeitig die Integration von Ökosystemleistungen in Planung, Praxis und Politik fördern, leistete das Projekt einen Beitrag zur Umkehrung der Ursachen der Degradierung von Ökosysteme und somit zum Erhalt der biologischen Vielfalt.
Bestehende Kapazitäten wurden in ausgewählten Partnerländern durch Fortbildungen, Studien, Zugang zu Informationen, Erfahrungsaustausch und Prozessberatungen aufgebaut. Dem Vorhaben liegt ein Mehr-Ebenen-Ansatz zugrunde. Erfahrungen von lokaler bis nationaler Ebene wurden aufbereitet, in regionale und internationale Dialoge und Netzwerke eingespeist und so Akteuren in anderen Ländern vermittelt. In dieser Form wurde der Austausch durch Dialoge und länderübergreifende kollegiale Beratung intensiviert.
Durch die Kommunikation in den jeweiligen Ländern entstand ein Austausch im Kontext des IPBES-Prozess, sodass diese Nachhaltigkeitsdialoge auch IPBES-Prozesse unterstützt. Das Wissen aus der internationalen Zusammenarbeit wird in IPBES eingebracht, was sich wiederum in den Empfehlungen zu den Ökosystemleistungsanalysen von IPBES widerspiegelt. Durch die Entwicklung von Kapazitäten und Prozessberatung wurden die Partnerländer befähigt, Empfehlungen von IPBES in ihren nationalen Prozessen und Strategien aufzunehmen.
Im Zusammenwirken der verschiedenen Arbeitspakete wurde somit erreicht, dass Ökosystemleistungsanalysen zielgerichtet und mit geeigneten Methoden und Instrumenten kompetent durchgeführt werden. Das führt unter anderem dazu, dass Länder ihren Beitrag zur Umsetzung des Strategischen Plans der CBD besser leisten können.