Ausgangssituation
Tunesiens Versorgung mit Primärenergie basiert beinahe vollständig auf fossilen Energieträgern. Erdgas trägt mit 55 %, vor Öl mit 44 %, den größten Anteil dazu bei. Lediglich 1 % des primären Energiebedarfs decken erneuerbare Energien. Die Erzeugung von Elektrizität erfolgt zu 97 % mit Erdgas, die übrigen 3 % werden durch erneuerbare Energien produziert, insbesondere durch Photovoltaik und Windkraft. Angesichts der Prognose eines steigenden Energiebedarfs und der zunehmenden Knappheit eigener Ressourcen – die nationale Förderung sinkt jährlich um etwa 6 % – wächst die Abhängigkeit Tunesiens von Energieimporten kontinuierlich. Hinzu kommen erhebliche Subventionen für Strom und Treibstoff, die den Staatshaushalt belasten.
Um einer weiteren Belastung durch Energieimporte entgegenzutreten und um dem 2015 in Paris zugesagten Klimaschutzbeitrag nachzukommen, erarbeitete die nationale Energieagentur (Agence Nationale pour la Maîtrise de l'Energie, ANME) ein Energiewendekonzept für Tunesien. Die Energiewende hin zu einer nachhaltigen Energieversorgung kann jedoch auch in Tunesien nur gelingen, wenn neben der Diversifizierung des Energiemixes mit erneuerbaren Energien gleichzeitig massiv in Effizienzmaßnahmen investiert wird. Dies reflektieren auch die tunesi-schen NDC, wonach zwei Drittel der vorgesehenen Emissionsminderungen durch gesteigerte Energieeffizienz realisiert werden sollen. Das nationale Energiewendekonzept strebt eine Sen-kung des Primärenergieverbrauchs um 17 % bis zum Jahr 2020 und um 34 % bis zum Jahr 2030 an.
Die fachlichen Kompetenzen zum Thema Energieeffizienz sind in Tunesien grundsätzlich vorhanden. Ein aktiver Austausch zwischen den unterschiedlichen Sektoren, ein gemeinsames Verständnis zu den Zielen der Energiewende sowie eine Übereinkunft der für die Erreichung der Ziele benötigten Ressourcen sowie eine klare Verantwortlichkeitszuordnung fehlen und sind Voraussetzung für das Gelingen der Energiewende. Auch wenn hinsichtlich erneuerbarer Energien positive Entwicklungen zu beobachten sind, versteht sich bspw. der staatliche Energieversorger (Société Tunisienne de l’Electricité et du Gaz, STEG) bislang vorrangig als klassischer Energielieferant und weniger als Energiedienstleister mit einer tragenden Rolle bei der Erfüllung der nationalen Ziele der Energie- und Klimapolitik. Die Voraussetzungen für die Verbreitung von Dienstleistungen und Technologien zur effizienten Nutzung von Energie sind nicht ausreichend und nicht unter Berücksichtigung der Zielsetzung der nationalen Strategie für Energieeffizienz entwickelt.
Modulziel
Die Voraussetzungen für die Verbreitung von Dienstleistungen und Technologien zur effiziente-ren Nutzung von Energie in Tunesien sind unter Berücksichtigung der Zielsetzungen der nationa-len Strategie für Energieeffizienz verbessert.