Ausgangssituation
Mehr als die Hälfte Kolumbiens – etwa 59 Millionen Hektar – ist mit Wald bedeckt. Allerdings hat das Land zwischen 1990 und 2017 hat Kolumbien etwa 6,7 Millionen Hektar Waldflächen verloren (eine Fläche zweimal so groß wie Nordrhein-Westfalen), unter anderem wegen der Ausweitung landwirtschaftlicher Produktionsflächen und Viehweiden, illegalen Drogenanbaus und Holzeinschlags, durch Bergbau und aufgrund von Waldbränden.
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, erarbeitet die kolumbianische Regierung derzeit eine nationale Strategie zur Minderung der Entwaldung und Walddegradierung (ENREDD+). Diese Strategie ist eingebettet in die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen und die internationalen Bemühungen zur Etablierung des REDD+-Mechanismus. Die Grundidee von REDD+ besteht darin, Regierungen und lokale Gemeinschaften finanziell dafür zu belohnen, dass sie die Entwaldung und damit Emissionen nachweislich reduzieren. Auch Wiederaufforstung und nachhaltige Waldbewirtschaftung leisten einen wichtigen Beitrag dazu, die Biomasse von Wäldern zu erhöhen und Emissionen zu reduzieren. Dafür steht das „Plus".
Ziel
Das kolumbianische Ministerium für Umwelt und nachhaltige Entwicklung setzt die nationale REDD+-Strategie um.
Vorgehensweise
Das Vorhaben unterstützt das kolumbianische Ministerium für Umwelt und nachhaltige Entwicklung bei der koordinierten und partizipativen Erstellung und Umsetzung der nationalen REDD+-Strategie sowie bei der Vorbereitung des Landes auf den REDD+-Mechanismus. Es fördert die Kommunikation und Kooperation zwischen den zuständigen Akteuren für Waldnutzung und Reduzierung der Entwaldung.
In den nördlichen Anden und im Amazonasgebiet werden die Ursachen der Entwaldung analysiert. In Pilotmaßnahmen wird erprobt, wie eine nachhaltige Nutzung von durch Abholzung und Degradierung bedrohten Wäldern zur Minderung von Emissionen beitragen kann. Zudem werden Mechanismen zur Umsetzung der nationalen REDD+-Strategie auf regionaler und lokaler Ebene und der Aufbau des dazu nötigen Know-hows gefördert.
Gemeinsam mit dem kolumbianischen Umweltministerium und anderen Akteuren entwickelt das Programm Richtlinien für soziale und ökologische Standards, sogenannte Safeguards, die im Rahmen des REDD+-Prozesses in die Praxis umgesetzt werden sollen. Durch diese Schutzmechanismen sollen negative ökologische oder soziale Auswirkungen von REDD+-Aktivitäten verhindert werden. Zum Beispiel sollen die Beteiligung aller Interessenvertreter sichergestellt und die Rechte der indigenen, afrokolumbianischen und der ländlichen Bevölkerung gewahrt werden. Ökologische Schutzmechanismen sind notwendig, um zu garantieren, dass REDD+-Aktivitäten mit dem Schutz natürlicher Wälder und der biologischen Vielfalt einhergehen und sich die Emissionen nicht in andere Regionen verlagern.
Das Programm unterstützt die kolumbianische Regierung bei der systematischen Erfassung und Aufarbeitung der Fortschritte in der Erarbeitung und Umsetzung der nationalen REDD+-Strategie und ihrer Wirkungen. Die Ergebnisse werden von der kolumbianischen Regierung in der internationalen Berichterstattung (zum Beispiel im Rahmen der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen) zu REDD+ verwendet.
Wirkungen
Mit der Erstellung der nationalen REDD+Strategie und der Strategie zur Kontrolle der Entwaldung hat das Vorhaben den Rahmen mitgestaltet, um Treibhausgasemissionen aus Waldzerstörung zu reduzieren und bis 2013 auf Null zu senken. Beide Strategien, die eine Gesamtwaldfläche von 590.000 km² betreffen, wurden 2018 von der Regierung verabschiedet und befinden sich in Umsetzung. Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf der Verabschiedung von Richtlinien für soziale und ökologische Standards, sogenannte Safeguards, und deren Umsetzbarkeit. Ein weiterer strategischer Meilenstein war die Tatsache, dass es mit Unterstützung des Vorhabens zum ersten Mal gelungen ist, im nationalen Entwicklungsplan (2014-18) konkrete, meßbare Indikatoren zur Begrenzung der Entwaldung zu integrieren.
Auf der regionalen Ebene hat die Einrichtung von "runden Tischen" in 5 Regionen Kolumbiens zu Wald dazu geführt, dass alle sozialen Gruppen dauerhaft an Diskussionen und Entscheidungen zu Wald beteiligt sind. Informationen und Empfehlungen, wie Waldbrände vermieden werden können, wurden über regionale und lokale Radiosender in den Regionen Guaviara und Caquetá regelmäßig verbreitet. In diesen beiden Regionen leben rund 600.000 Personen.
Mit Hilfe von acht Projekten auf Dorf- und Gemeindeebene konnten im Einflussbereich von rund 15.000 km² Wald mehr als 10.000 ha direkt nachhaltig bewirtschaftet und Einkommen generiert werden durch Holzprodukten oder durch den Anbau von Kakao und hochpreisigen Früchten sowie durch Viehwirtschaft.