2019.2188.1

Deutsch-Indisches Programm für Berufliche Bildung

Auftraggeber
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit u. Entwicklung
Land
Dauer
–
Partner
Ministry of Skill Development and Entrepreneurship

Kontext

Jedes Jahr treten mehr als 15 Millionen junge Menschen in den indischen Arbeitsmarkt ein. Bereits jetzt besitzt Indien daher die weltweit größte erwerbstätige Bevölkerung. Diese Tatsache in Verbindung mit der immensen wirtschaftlichen Entwicklung des Landes in den vergangenen Jahren hat Indiens Ehrgeiz gefördert, ein weltweit führender Produktionsstandort zu werden.

Zugleich ist Indiens Wirtschaft mit einem akuten Mangel an qualifizierten Arbeitskräften konfrontiert. Jüngste Prognosen gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2022 mehr als 130 Millionen Arbeitskräfte fehlen werden. Darüber hinaus wächst das Missverhältnis zwischen den auf dem Arbeitsmarkt verfügbaren und den von der Wirtschaft nachgefragten Qualifikationen.

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, plant die indische Regierung eine landesweite Ausweitung und qualitative Aufwertung der kooperativen Berufsbildung durch aktive Einbindung des Privatsektors in ihre Gestaltung und Umsetzung. Dieses Ziel erfordert gemeinsame Anstrengungen und enge Koordination zwischen einer Vielzahl von Akteuren.

Zielsetzung

Die Anzahl Jugendlicher und junger Erwachsener, die von verbesserter Qualität der kooperativen Berufsbildung profitieren, ist in ausgewählten Clustern erhöht.

Vorgehensweise

Das Vorhaben verfolgt einen Cluster-Ansatz zur Pilotierung kooperativer Berufsbildungsmodelle an derzeit acht Standorten in ganz Indien. Dabei besteht ein Cluster aus einer Gruppe von Unternehmen in einer bestimmten Region und Branche. An jedem der Clusterstandorte arbeitetet das Vorhaben eng mit einer Kammer oder mit einem Industrieverband zusammen und entscheidet gemeinsam mit dessen Mitgliedern, welches Modell der kooperativen Berufsbildung ihren Bedürfnissen am Besten entspricht. Das ausgewählte Modell wird sodann in Zusammenarbeit mit interessierten Berufsschulen und den jeweils verantwortlichen staatlichen Akteuren umgesetzt und durch intensive Kapazitätsentwicklungsmaßnahmen begleitet. Ein besonderer Fokus wird hierbei auf gleichstellungsorientierte Ansätze und die systematische Berücksichtigung der Bedürfnisse von Frauen und Männern gelegt.

Um eine langfristige Verankerung der neu eingeführten Modelle zu erzielen, berät das Vorhaben die Regierungen einzelner Bundesländer sowie das indische Ministerium für berufliche Qualifizierung und Unternehmertum (Ministry of Skill Development and Entrepreneurship, MSDE) auf Bundesebene. Der Fokus der Beratung liegt zum Einen auf der Einführung von Qualitätsstandards in der Ausbildung von Berufsschullehrer*innen und betrieblichen Ausbilder*innen, und zum Anderen auf der breitenwirksamen Replizierung der pilotierten Modelle der kooperativen Berufsbildung in weiteren Regionen und Branchen. Im Rahmen von Cluster-übergreifenden Austauschformaten erarbeiten Vertreter*innen der Kammern und Industrieverbände sowie der Berufsschulen gemeinsam Reformvorschläge zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für ein kooperatives Berufsbildungssystem. Diese werden dem MSDE zur Beratung vorgelegt und fließen so in die Gestaltung nationaler Berufsbildungsstrategien mit ein.

Erwartete Wirkungen

Es wird erwartet, dass das Vorhaben die folgenden Wirkungen erzielt:

- Aktives Engagement privatwirtschaftlicher Akteure:

Durch den Clusteransatz haben sowohl Kleinst-, kleine und mittelständische Unternehmen als auch Großunternehmen die Gelegenheit, sich aktiv an der Gestaltung und Umsetzung kooperativer Berufsbildungsangebote in ihrer jeweiligen Region und Branche zu beteiligen. Zugleich fördert der Ansatz den sektorübergreifenden Dialog zwischen Akteuren des öffentlichen und privaten Sektors auf Cluster-, Landes- und Bundesebene. Dies erhöht die Relevanz der kooperativen Berufsbildung im indischen Bildungssystem und sorgt dafür, dass die Fähigkeiten der Absolvent*innen der kooperativen Berufsbildung vermehrt den Anforderungen der einstellenden Unternehmen entsprechen.

- Verbesserte Qualität der kooperativen Berufsbildung:

In enger Zusammenarbeit mit anderen Vorhaben im Landesportfolio der GIZ Indien befähigt das Vorhaben Berufsschullehrer*innen, Berufsschulleiter*innen und betrieblichen Ausbilder*innen dazu, schulische und betriebliche Ausbildungsmodule sowohl organisatorisch als auch inhaltlich aufeinander abzustimmen. Zudem werden alle Modelle der kooperativen Berufsbildung an bestehende, nationale Ausbildungsstandards angeglichen. Dies verbessert die Qualität und Vergleichbarkeit der kooperativen Berufsbildung und bewegt so eine höhere Anzahl von Jugendlichen und jungen Erwachsenen zur Wahrnehmung entsprechender Angebote.

- Replizierung und systemischer Wandel:

Die im Rahmen der Umsetzung des Vorhabens gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen werden sorgfältig dokumentiert und bilden die Grundlage für Bedarfsanalysen und konkrete Reformvorschläge. Diese Reformvorschläge werden den Landesregierungen sowie dem MSDE auf Bundesebene vorgelegt und liefern evidenzbasierte Impulse für die Replizierung erfolgreicher Modelle der kooperativen Berufsbildung in weiteren Branchen und Regionen, für den politischen Dialog mit anderen Fachministerien und für Strategieanpassungen im Zusammenhang mit der kooperativen Berufsbildung.

- Gender-Mainstreaming in der kooperativen Berufsbildung:

Das Vorhaben bezieht Ausbilderinnen, Berufsschulleiterinnen, Unternehmerinnen und Arbeitgeberinnen systematisch in die Gestaltung und Umsetzung der kooperativen Berufsbildungsmodelle mit ein. Zugleich werden konkrete Empfehlungen zum Gender-Mainstreaming in der kooperativen Berufsbildung in Reformvorschläge integriert. Durch diese Maßnahmen sensibilisiert das Vorhaben politische und privatwirtschaftliche Entscheidungsträger*innen für die Berücksichtigung geschlechterspezifischer Aspekte in der landesweiten Ausweitung und qualitativen Aufwertung der kooperativen Berufsbildung.

 
Informationen

CRS-Schlüssel
11330

Entwicklungspolitische Kennungen

Signifikante Nebenziele:

  • Gleichberechtigung der Geschlechter
  • Demokratische und inklusive Regierungsführung

Zuständige Organisationseinheit
2B00 Asien II

Vorgänger-Projekt
2014.2294.8

Auftragsvolumen (aktuelles Projekt)
5.450.000 €

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